mein kolumnen thread

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Bild von Praeriebaer

Nach zahlreichen Updates ist meine Geschichte nun endlich fertig und überarbeitet, hinterlasst bitte Kommis wenn ihr sie gelesen habt auch wenn ihr sie nicht mochtet ich brauch eure Meinung!

Buch 2 ist auch fertig

Katzenjammer

Buch 1 Kapitel 1

Polly saß am Frühstückstisch und sah Gedankenverloren in die Zeitung. Sie hatte sich für den Tag etwas ganz besonderes vorgenommen. Sie und ihre Freunden Vyoma wollten am Nachmittag Boot fahren gehen.
Den Segelführerschein hatte Polly gerade beendet, und nun wollte sie das erste Mal, einen Ausflug mit dem Boot ihres Onkels auf einen nahe gelegenen See unternehmen.
Sie schnappte sich nach dem Frühstück ihr Fahrrad und besuchte ihre Freundin am Ende der Straße.

Die beiden kannten sich seit einem Jahr, als Vyoma in den Ort zog. Vyoma war ein schüchternes Mädchen und doch mutig genug um sich zu überwinden eines Tages an Pollys Tür zu klopfen, um sie zu ihrem Geburtstag einzuladen. So begann die Freundschaft zwischen den Beiden, die sich niemals stritten, aber so oft wie nur möglich allen Anderen in ihrer Klasse aus dem Weg gingen. Für sie waren die meisten in ihrem Alter einfach nur oberflächliche Sinnlosigkeiten, die ihre Beachtung nicht verdient haben. Sie kümmerten sich lieber um sich selbst und engagierten sich in anderen sozialen Umfeldern und eben auch im Segelsport. „Klopf Klopf!“ sagte Polly als Vyoma die Tür aufmachte. Sie wusste scheinbar immer wann Polly vorbeikommt und stand schon am Türrahmen, als Polly ihr Fahrrad an den Gartenzaun lehnte.

Die Beiden umarmten sich herzlich und brachen auf. Vyoma schnappte sich ihren grünen Rucksack und schloss die Tür hinter sich. Als sie ankamen, war Pollys Onkel wie immer damit beschäftigt, im Liegestuhl vor seinem Haus zu sitzen und ein dickes altes Buch zu lesen. „Hast du dir mittlerweile mal eine Bibliothek gebaut? oder liegen deine Bücher immer noch wild gestapelt im Heizungskeller?“ Wollte Polly wissen. „Nein ich pflege weiterhin meine Schäfchen im trockenen zu lagern.“ Antwortete ihr Onkel, der mittlerweile in die Jahre gekommen war und als Berufsfeuerwehrmann nur noch selten ernsthaft eingesetzt wurde. „Und was passiert wenn es eine Sturmflut gibt und dein Keller überschwemmt wird?“, Erkundigte sich Vyoma mutig. „Für den Fall werdet ihr mir zur Seite stehen und ihn rechtzeitig leer räumen müssen, als Gegenleistung, dass ich euch mein Boot kostenfrei überlasse.“ Siegesgewiss stand der Onkel von seinem Liegestuhl auf und grinste die Beiden an.

„Als ich vor 10 Jahren mir hier mein Haus besorgt hatte, war ich überwältigt von der Schönheit der Bäume, die zu ihm führen. Diese malerische Umgebung mit Trampelpfaden und den Duft der Wildrosen…. Wer darf sich schon über ein solches Heim freuen? Alles was ich damals brauchte, war eine Anlegestelle für mein Boot. Und nachdem ich mir meine Benzinpreisrechnung angeschaut habe, und mir ausrechnete, wie viel mich in 20 Jahren die Liege und Lagergebühren für mein kleines Boot kosten würden, da habe ich angefangen nach einem Platz zu suchen der sich in jeglicher Hinsicht auszahlen wird.

Ich hatte damals die Midlifecrisis gerade hinter mich gebracht und hörte auf deprimiert zu sein, mir zu wünschen, dass ich sterbe bevor ich ein nichtsnutziger Krüppel werde. Nun genieße ich das Leben und will mir es so lange wie möglich erhalten. Ich hatte wirklich viel Glück, denn die wenigsten können so viele Fehler machen wie ich und sich dann in einem so großartigen Heim, mit netten Nachbarn zur Ruhe setzen. Das alles gebe ich gerne an euch weiter und ich sehe absolut keinen Grund, warum ich euch nicht die Verantwortung für meinen kleinen Segler überlassen sollte.“

Die beiden Mädchen kannten das schon. Sie hörten gerne seine Geschichten über Vergangenheit, Zukunft, Politik, gesellschaftliche Probleme, Toleranz…. All jenes eben, was den in ihren Augen, sehr weisen Mann, von ihrer eigenen Generation unterschied. Gewissermaßen fühlten sie sich überlegen, da sie von seinem Wissen profitieren konnten, und das bildete ihre Arroganz nur weiter aus. Daran konnten selbst seine Ermahnungen nichts ändern, wenn sie sich bei ihm über ihre gewöhnlichen Mitschüler ausließen. Sie bemerkten, wie unangenehm es ihm war, wenn er so Sätze sagte wie:„Versucht doch einfach mal die anderen Besser kennen zu lernen, vielleicht sind die ja doch ganz nett und ihr seid genauso oberflächlich, wenn ihr sie abstempelt, ohne sie genau zu kenn!“ In einem solchem Moment bereute Onkel Eduard immer sofort was er gesagt hatte und die Mädchen wechselten schnell das Thema, was ihn beruhigte.

Auch sonst gab es hauptsächlich erwachsene Bezugspersonen im Leben der Beiden. Sie sahen darin auch den Vorteil für sich, dass sie niemandem verpflichtet waren, und nicht ständig von Telefonanrufen oder SMS von ihren Freunden geplagt werden konnten, wenn jemand Lust hatte in die Disco zu gehen oder Ähnliches. Sie machten sich nichts aus Partys, Alkohol oder unnötigen Drogen wie Rauchen. Wenn sie mal richtig entspannen wollten kannten sie ganz andere Methoden.

Sie gingen also zum Bootshaus. Polly und Vyoma zogen sich Schwimmwesten über, während Pollys Onkel ihnen letzte Instruktionen gab, und sie nochmals ausdrücklich bat, das Boot in möglichst zusammenhängenden Komponenten zurück zu bringen. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag. Die See ruhig und der Wind gemächlich, gleichmäßig. Perfektes Segelwetter eben für 2 Anfängerinnen, denen es gar nicht so sehr ums Segeln selbst ging.

Die Beiden stiegen ein, und wussten Beide schon genau wo sie hinwollten. Eduard zog das Boot an der Leine raus auf den See. Sie glitten hinaus und der Wind spannte das Segel auf. Polly hielt gelassen das Segeltau und schnürte es fest sobald sie richtig zum Wind standen und sie nur noch das Ruder halten musste.

Vyoma kroch unters Segeltuch und legte sich zu ihr. Die beiden Mädchen genossen diesen Moment der puren Freiheit. Die Rettungswesten hatten sie längst abgelegt, als sie außer Sicht waren. Nur sie das Boot und der große See. Die Sonne wärmte angenehm ihre Gemüter und Polly strich Vyoma durch ihre langen brünetten Haare. Meine lieben Zuhörer ihr scheint zu wissen, was dann passierte.

Jedenfalls vergaßen sie die Zeit und merkten kaum wohin sie trieben, bis sie über sich auf einmal Bäume sahen. Vyoma hatte Angst davor, dass sie im Geäst stecken bleiben könnten, aber Polly schmiedete bereits andere Pläne. Sie wollte durch einen abgezweigten Graben fahren. Sie hatte selbst nicht wirklich darauf geachtet ob sie auf dem richtigen Kurs waren, aber insgeheim wollte sie schon länger genau dorthin.

Aus früheren Segeltouren mit ihrem Onkel wusste Polly genau um den Graben, aber befahren hat sie ihn nie. Ihre Unsicherheit lies sie sich nun aber vor ihrer Freundin nicht anmerken. Sie spürte, dass Vyoma sich sehr starke Sorgen machte, die noch einen anderen Grund als nur festzustecken haben dürften. Aber die Neugier siegte und so segelten sie durch den etwa 8 Meter breiten Graben, wo es Ihnen zu Gute kam, dass die Bäume den Wind abschwächten und Polly somit mehr Zeit zum navigieren hatte. Es war immer noch früh am Nachmittag, aber die Sonne vermochte nicht durch die Blätter des grünen Waldes zu scheinen, den die Beiden durchfuhren. So wurde es bald kühler und sie zogen ihre Rettungswesten wieder an und kramten eine Decke raus. Polly konnte nur geringfügig davon profitieren aber wenigstens blieb sie warm während sie das Boot in der Spur halten musste.

Der Graben hatte keinen Namen zumindest kannte ihn der Onkel nicht. Deswegen war es für Polly auch nie ein Fluss gewesen auch wenn es von der Größe her vielmehr einer war.

Sie stellte vor allem später fest wie wenig die Bezeichnung „Graben“ zutraf, denn zu ihrer Beruhigung wurde der Lauf breiter und sie konnten gemütlich ihren Proviant auspacken. „Was hast du eigentlich vor?“ fragte Vyoma, Polly voller Neugierde als diese gerade in ihr Schinken-Käse Sandwich gebissen hatte.
Mit vollem Mund antwortet Polly: „Bist du sicher, dass du nicht zu viel Angst bekommst wenn ich’s dir erzähle?“ Vyoma hatte offenbar erwartet etwas Beruhigendes zu hören. Alles was sie aus ihrem Gesicht zeigte waren Erstauntheit und Große Augen. Polly wusste, dass Vyoma ihr Vorwürfe machte, und deshalb wartete sie nicht auf eine Antwort sondern führte ihre Gedankengänge fort. „Meine Oma hat mir oft alte Geschichten erzählt, von einem Graben in der Nähe ihrer alten Hütte, dort soll sie nachts Katzen miauen gehört haben. Sie konnte sich nie erklären woher die Katzen gekommen sein konnten. Tagsüber hat sie oft am Fluss gewartet und geschaut, aber sie zog früh in der Kindheit um und hatte nie die Gelegenheit nachts zu schauen ob tatsächlich Katzen an das Ufer kamen.“ „Und du glaubst wir fahren nun auf dem selben Graben?“ „Ich weiß es nicht aber es wäre denkbar, denn das alte Haus meiner Oma ist hier ganz in der Nähe und es ist Wochenende, oder hast du Angst vor Katzen?“ „Wie bitte?“ Vyoma war total schockiert von dem Plan ihrer Freundin. „Du willst hier übernachten und auf die Katzen warten?“ Mehr als
ein kurzes und bündiges „Ja“ wusste Polly darauf nicht zu antworten.

Vyoma konnte ihre Furcht und ihre Schockiertheit gar nicht verbergen, aber sie spürte, dass ihre Freundin einen so sehnlichsten Wunsch hatte, dass sie ihn ihr unmöglich ausschlagen konnte und sie willigte ein. „Du weißt schon, dass es heute Nacht kalt wird?“ Polly schüttelte entschieden den Kopf. „Nicht für uns. Ich habe im Segelkurs gelernt, wie man ein Feuer macht und habe Feuerzeug und Streichhölzer sowie Zündmaterial in Form von Taschentüchern dabei, und in den letzten Tagen war es trocken also…“ „Okay, okay, okay“ Vyoma würde ihr Leben so oder so in Pollys Hände legen, das war Beiden klar. Und so suchten sie sich eine geeignete Stelle, machten ihr Boot fest, holten das Segel ein und schauten sich in der Umgebung um. Von Zivilisation war weit und breit nichts zu sehen. Nirgendwo, nicht einmal eine Lehmhütte, wie sie Pollys Großmutter einst bewohnt hatte, aber sie hofften einfach in ihrer Leichtlebigkeit, dass sich bisherige Abenteuer zumindest in dem Maße wiederholen würden, dass sie selber schon heile raus kommen.

Zum Glück wusste Vyoma gut über sämtliche Pilzsorten in der Gegend bescheid. Bevor sie Polly kennen lernte, war sie ohnehin ein Bücherwurm gewesen. Sie musste immer alles beantwortet haben, welche Fragen sie sich auch stellte. Sie konnte nicht aufhören sich etwas zu Fragen bis sie die Antwort darauf wusste. So hatten die Beiden beim Pilze sammeln keinerlei Skrupel vor krüppelig anmutenden Missbildungen und ließen oft scheinbar harmlos aussehende Schönheiten mit Absicht links liegen.

Die Beiden waren wahrhaftig das perfekte Duo, für derartige spontane Exkursionen. Als das Pärchen nach 3 Stunden wieder in die Nähe des Bootes zurückkam, hatten sie bereits genügend Pilze, Waldbeeren, und sogar nahrhafte Wurzeln gesammelt, um davon bequem die nächsten 2 Tage leben zu können. Langsam wurde es Abend und Polly machte ein Feuer. Wahrscheinlich hätten sie sich die Sammeltour sparen können. Für den Abend bunkerte noch genügend Proviant in Vyomas Rucksack. Aber sie suchten nach dem Haus der Großmutter und da sie es nicht fanden, gaben sie sich mit der Vermutung ab, dass es mittlerweile wohl verkommen oder gar abgerissen sein müsse und man die Katzen sicher auch von weiter entfernt hören würde, zu mal sie am Flusslauf kampieren wollten, dem einzigen, nur leicht bewaldeten Ort in der Gegend.

Polly und Vyoma spießten ein paar Brötchen, die durch die Feuchtigkeit zäh geworden waren, auf einen Zweig und stellten sie am Feuer auf. Die Pilze legten sie lose in die lodernden Flammen, was sie als Zeichen ihrer Überlegenheit gegenüber der prüden Durchschnittsjugend erkannten, und schon bald speisten sie vergnügt die Hinterlassenschaften der Natur.

Buch 1 Kapitel 2

„Polly, Polly!“ entfuhr es Vyoma in einer Tour. „Hä?“ fragend richtete sich die gerade aufgeweckte zu ihrer Freundin. „Dort im Gebüsch“ Vyoma zeigte mit ihrem Finger auf einen Busch auf der anderen Seite des Ufers, den sie bei der Dunkelheit nur noch Umrisshaft erkennen konnten. „ Was ist da?“ fragte Polly halbwegs interessiert. „Ein Geräu.“ Weiter kam sie nicht, denn sie horchten Beide auf, als etwas Vertrautes an ihre Ohren drang. Das war eindeutig ein Mauzen einer Katze, die dort im Gebüsch sitzen musste. Polly wollte hastig aufspringen, besinnte sich aber dann doch der Ruhe zurück, um das Tier nicht zu erschrecken. Vyoma schlich langsam zum Boot, aber sie merkte bereits, dass es sinnlos war, Polly watete gradewegs durch Wasser, nur fixiert an den Gedanken, das Rätsel zu lösen, welches sich um die nur Nachts auftretenden Katzen drehte.

Es heißt nachts sind alle Katzen grau, in diesem Fall musste Polly darauf schließen, dass dies nur für sichtbare Katzen gilt. Mehr als funkelnde Kristalle, die sich als Augenpaare herausstellten, waren unmöglich zu erkennen. Vyoma war sich absolut sicher, dass dies kein gutes Omen sein konnte und doch folgte sie ihrer Freundin gefügig, sogar noch, als die Katzen sich umdrehten und Polly ihnen in ungewisse Richtung folgte. Polly merkte wie Vyoma vor Kälte und Angst zugleich zitterte. Polly hatte wirklich ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre Freundin in eine solche Lage brachte, in solch unwegsames Gelände, mitten in der Nacht und völlig durchnässten Klamotten zu stolpern. Sie nahm sie an die Hand und drückte so gut wie möglich ihre Zuversicht aus. „Alles wird gut, mach dir keine Sorgen. Ich will nur wissen wo sich die Katzen verstecken und dann gehen wir wieder zurück.“ „Um mich mach ich mir keine Sorgen Polly, ich hoffe nur, dass dir dein Optimismus nicht eines Tages den Kopf kosten wird, wenn ich grade nicht da bin.“ Vyoma war immer die gewesen, die versuchte für alles eine friedliche Lösung zu finden, Polly war ihre erste richtige Freundin und sie bedeutete ihr viel mehr als ihr eigenes Leben ihr je wert sein könnte. Für sie stand fest, wenn Polly sterben würde, dann würde sie dabei sein.

Die Beiden vergaßen die Zeit, während sie sich gegenseitig stützend, durch die Büsche schlugen und ihr Bestes taten um mit den Katzen schritt zu halten. Zu ihrer Verwunderung honorierten dies die Katzen ihrerseits, indem sie gemächlicher voran schritten. An immer wieder aufblitzenden Augenpaaren konnte Polly erkennen, wie oft sich die Katzen umsahen, um sich zu vergewissern, dass ihre Verfolger Schritt hielten. Nach etwa fünf bis fünfzehn Minuten Fußmarsch, wie Polly abzuschätzen versuchte, hörten sie auf einmal ein immer stärkeres jammern in Richtung ihrer Leittiere. Offenbar wollten sie ihnen mitteilen, dass sie sich gefälligst zu beeilen hatten.

Für Polly und Vyoma war das bloß ein grundlegender Beweis dafür, dass Tiere auch eine gewisse Arroganz besitzen können und hin und wieder an Realitätsverlust leiden, denn so wie Polly und Vyoma sich fühlten würden sie eher auf der Stelle umfallen, als dass sie sich noch zügiger durchs Gebüsch schlagen würden. „Polly, wo auch immer die uns hinbringen, sie müssen auf jeden Fall einen Grund dafür haben, wenn sie Nacht für Nacht am Fluss stehen, offenbar ist ihr Versteck viel weiter entfernt als wie dachten.“ Polly wusste, dass sie auf keinen Fall zufällig ausgerechnet dort übernachtet haben konnten, wo ihre Großmutter damals das Katzenmiauen gehört hatte. Sie teilte nicht nur die Sorgen ihrer Freundin, nein für sie stand schon länger fest, dass sie nicht das Versteck der Katzen suchten. Vielmehr haben die Katzen sie dort gesucht. Aber derart beängstigende Neuigkeiten konnte sie ihrer Freundin unmöglich mitteilen somit gab sie zum Beweis ihres Verständnisses bloß ein halbwegs ernsthaftes Gemurmel von sich. „Wir sind sicherlich bald da.“ Beide wussten, dass es nichts bringen würde, wenn sie sich über die Schwere ihrer Füße beklagten, somit beließen sie es dabei und schritten weiter voran.

Nach einer Ewigkeit, so wie es ihnen vorkam, wurden die Bäume auf einmal überraschend undicht. Sie waren an einer Lichtung angekommen. Die Katzen hatten die Zeremonie offenbar vorher einstudiert, Jede von ihnen stellte sich zielstrebig und ohne Hast auf einen Platz am Rade der runden Lichtung. Nun konnten Poly und Vyoma das erste Mal im Mondschein sehen, wie viele es waren und allesamt Schwarz. Da die beiden Mädchen keine Gastgeschenke vorweisen konnten, denn alles was sie mitbrachten war noch im Lager, taten sie zumindest, was sie glaubten, die Katzen von ihnen erwarteten. Sie stellten sich in die Mitte, wo Unheimlicherweise noch ein Baumstumpf eines großen alten Baumes stand und ließen sich von den anderen Audienzteilnehmern begutachten.

Sie hatten sicher erwartet, dass es nun ein großes Miauen geben würde und sie den Mond ehren
würden, so ähnlich wie es Wölfe tun. Aber scheinbar warteten die Katzen ihrerseits auf etwas Bestimmtes. Vyoma hatte mal ein Buch über Tierkommunikation gelesen, jedoch waren sie grade in einer Situation, in der die Tiere um sie rum offenbar nicht einmal vorhatten ihrerseits etwas mitzuteilen.

„Was wollt ihr von uns?“ fragte Vyoma plötzlich erwartungsvoll. Vyoma und Polly schauten in die Runde um keine Anzeichen zu übersehen, die darauf deuten könnten, das Rätsel zu lösen. Wie sich kurz darauf raus stellte, war dies aber gar nicht notwendig.

Grob geschätzt reckten sich drei Dutzend Katzenköpfe in den Himmel. Vyoma ratlos: „Meinst du die wollen mal Astronaut spielen?“ Polly dachte kurz nach. „Katzen haben sicher nichts davon durchs Universum zu fliegen, ich vermute dort oben ist irgendwas, was sie brauchen.“ Ein beschwerendes Miauen ging durch die Runde und Vyoma hätte schwören können, dass sie bei manch einer Katze, entschiedenes Kopfschütteln vernommen hatte.

„Ist da oben etwas wovor ihr Angst habt?“ nahm Vyoma wieder die Konversation auf. Die Katzen jedoch regten sich nicht, was in der Vergangenheit zumindest kein Zeichen der Verneinung war.
„Glaubt ihr, dass dieses etwas hier her kommen wird?“ setzte Vyoma ihre Unterhaltung fort. Die Beiden wussten schon, dass die Tiere auch diesmal verstummen würden. Vyoma stand die Furcht regelrecht ins Gesicht geschrieben und Polly konnte ihre Sorge auch nicht länger verheimlichen.
„Wann!“ schrie Polly voller Furcht in den Kreis und drehte sich dabei ständig im um die eigene Achse wie ein umzingelter der eine Lücke sucht, während ihm die Masse immer näher kommt. Die Katzen gaben sich einander Zeichen und nickten nacheinander. Nun traten fünf von Ihnen hervor und ließen mit einem gleichzeitigen Miauen verlauten, dass sie getan haben, was man von Ihnen verlangte.

Das durchzählen fiel Vyoma und Polly mittlerweile sehr leicht, denn die Dämmerung setzte ein.
„5 Jahre?“ fragte Polly neugierig und zugleich gefürchtet. Offenbar war alles gesagt, die Katzen machten kehrt und verschwanden im Dickicht. Polly und Vyoma blieben alleine zurück.

„Abgesehen davon, dass wir in fünf Jahren einem Angriff von Aliens unterliegen haben wir nichts erfahren.“ meinte Polly nach einiger Zeit der Stille abschätzend.“ Vyoma widersprach ihrer Freundin nur ungern, trotzdem musste sie einwenden, dass die Katzen sich nicht festgelegt haben ob es wirklich Aliens sein würden. Eine Grundsatzdiskussion über die Definition von Aliens jedenfalls, brachte sie nicht weiter. Sie mussten sich damit abfinden, dass sie zu Müde waren um in dem Moment etwas zu ändern. Ein Handy hatten sie nicht dabei, außerdem wussten sie auch nicht wem sie diese beunruhigenden Nachrichten melden sollten. Sie waren sich sicher, dass die Katzen sich einzig und allein ihnen anvertraut haben, weil sie die Geschichte nicht für völligen Blödsinn halten würden und der Sprache der Tiere vertrauten. Ihre Naturverbundenheit und ihre Interpretationsgaben wurden ihnen jetzt zum Verhängnis. Wie sie mit dem Wissen fortlaufend handeln werden, würden sie beratschlagen, nachdem sie geschlafen haben. Klar denken konnten sie in ihrem Zustand sowieso nicht.

Sie gingen zum Lager zurück, was ihnen nun weitaus einfacher vorkam, denn der Sonnenaufgang hatte bereits eingesetzt. Da sie vollkommen erschöpft waren und auf Grund der Sonnenstrahlen keine Angst vor dem Erfrieren haben brauchten, verzichteten Sie auf ein neues Feuer und schliefen tief und fest.

Buch 1 Kapitel 3

„Loris, hast du schon deinen Bruder Eduard angerufen, ob er weiß wo die Mädchen stecken?“ „Natürlich, er sagt, er hat ihnen vielleicht zuviel Freiraum gegeben, als er die kostenlose Nutzung des Bootes nicht zeitlich begrenzt hat.“ Pollys Eltern waren ganz außer sich, Mike und Loris waren sicher von ihrer Tochter gewohnt, dass sie gelegentlich länger wegblieb, auch ohne sich zu melden. Sie bereuten zunehmend, dass sie sich eine Tochter herangezogen haben, die auf Handys absichtlich verzichtete, nur weil diese zu „kommerziell“ schienen. Sie hatten keine Möglichkeit gefunden, wie sie ihre Tochter erreichen konnten und es war bereits Mittag. „Ich glaube es einfach nicht!“ wand Loris ein. „Unsere Tochter schwirrt irgendwo dort draußen in der Nähe des Sees oder wer weiß wo rum und wir sitzen hier und wissen nicht mal ob sie noch am Leben ist.“ Mike kannte bereits die oft sehr überzogenen Gefühlsausbrüche seiner Gemahlin, umso besser wusste er, dass es sich in einem solchen Fall nicht lohnen würde irgendeinen Einwand der Vernunft einzubringen. Der Versuch würde dieses einseitige Gespräch nur verlängern. Er wusste genau was nun folgte.

Und schon bereute er überhaupt aufgestanden zu sein, anstatt im Bett liegen zu bleiben und sich wie jeder kluge Mann krank zu stellen und sich von seiner Frau eine warme Brühe, sowie einen Tee bringen zu lassen. Nun saß der Mann stattdessen auf seiner Bank in der Küche und traute sich nicht einmal, einen Schluck dieses herrlich duftenden frischen Kaffees zu genießen, den er seit Jahren immer morgens aufgesetzt hat, bevor sie beide aufstanden. Auch die wohlverdiente Sonntagszeitung war in derartigen Momenten absolut Tabu für ihn und jeden verheirateten Mann, so war er sicher, die den ganzen Tag versuchten dieser einen Satzkonstruktion aus dem Weg zu gehen für die man in 10 Millionen Jahren Evolution nicht eine streitlose Antwort gefunden hatte.

Der arme Mike wollte grade Sicherheitshalber das Gespräch seinerseits fortsetzen, da war es bereits zu spät. „Wie kannst du bloß still rum sitzen, während unsere Tochter irgendwo dort draußen ist und sich wer weiß nicht was getan hat? Der Herr bequemt sich und ich mache mir den ganzen Morgen Sorgen, ich konnte Nachts nicht schlafen und die Polizei sagte, sie würden sich nach 48 Stunden drum kümmern, ich versteh es nicht.“ Loris war mal wieder in ihrer „Alles über einen Haufen werf und einen Satz drauß bilden“ Phase. nach all den Jahren, hat sich ein Mann jedoch daran gewöhnt, wenn er an allem Schuld ist, weil er auf einer Bank sitzt und gerne mal seinen Kaffee trinken würde. Eine schlichtende Antwort fiel ihm aber zurzeit leider auch nicht ein.

Er versuchte nun einfach zu tun, was alle Männer tun würden. Er musste sie davon überzeugen, dass er sich genauso um ihre gemeinsame Tochter sorgte wie sie. Wenn sein Plan aufging, dann war alles wieder gut und er würde ihnen allen zusammen ein Eis spendieren. Ging der Plan nicht auf, dann hinge der Haussegen schief. In beiden Fällen wäre er schon einmal der Verlierer in dieser Sache. Er kannte die, für ihre Verhältnisse, doch recht exquisite gemeinsame Lieblingseisdiele seiner Tochter und seiner Frau genau.

„Loris.“ fing er an. „Wie wäre es, wenn wir einfach mal zum See fahren und nach den Kindern suchen?“ „Und wenn sie dann in der Zwischenzeit zurückkommen?“ wollte Loris wissen. Mike war nach all den Jahren bestens auf die Frage vorbereitet. „Wir rufen Vyomas Eltern an, und geben ihnen meine Nummer, mein Handy habe ich dabei.“ „Ich will aber nicht, dass sich Vyomas Eltern unnötige Sorgen machen. Du weißt, wie streng die sind, die riefen damals schon immer hier an, wenn Vyoma sich nur fünf Minuten verspätet hatte.“ wand Loris ein. „Das werden sie nicht, ich werde ihnen schon verklickern, dass alles Okay ist, wir tun einfach so, als hätten die Zwei bei uns übernachtet und wären nun mit dem Bus ins Kino gefahren. Und wenn sie wiederkommen, sollen die Eltern sich eben bei mir melden.“ Da es keine weiteren Einwände zu geben schien, machte Loris sich fertig. Mike rief bei Vyomas Eltern an, von denen er sich noch eine anprangende Predigt anhören musste, warum sie die Kinder ins Kino ließen, obwohl sie doch genau wüssten, dass Vyoma schon gestern Nacht wieder zurück sein sollte. Letztlich willigten sie aber ein.

Wenn Mike ehrlich zu sich selbst war, hatten er und seine Tochter in Krisensituationen was gemeinsam. Sie redeten sich selbst bloß ein, dass alles gut werden würde, aber sicher war er sich bei solchen Dingen sowieso nie. Während der Fahrt zum einzigen Anhaltspunkt, dem Haus von Onkel Eduard, war er damit beschäftigt sich logische Erklärungen einfallen zu lassen, warum die beiden Ausreißer einfach weggeblieben sind, ohne sich zu melden. Zwischendurch erwischte er sich selbst dabei, wie er dem Himmel dankte, dass er durch Eduards Bestätigung am Telefon sicher sein konnte, dass sie nicht mit einem Jungen los gezogen ist. Aber beim Segeln konnte so viel passieren, nicht dass die Beiden ihre Rettungswesten abgelegt hatten um wer weiß nicht was zu tun. Er selbst hatte kein Problem damit eine lesbische Tochter zu haben, aber offensichtlich dachte da die Tochter ganz anders. Er war immer bemüht ein einfühlsamer Vater zu sein, grade so, wie er es in Hollywood Filmen so oft gesehen hatte und selbst im eigenen Elternhaus nie Erfuhr. Er gab seiner Tochter immer genug Abstand, damit sie lernen konnte, selbst auf sich aufzupassen, so hoffte er zumindest.

So lange sie klein und voller Tatendrang war, gab es nie Probleme. Irgendwann einmal fängt aber jedes Mädchen an eine Frau zu werden. Sie werden verschlossener und erzählen ihren Eltern nur noch so wenig wie unbedingt notwendig und davon natürlich nur die Hälfte. Wenn möglich verschlüsseln sie den Rest. Genau darauf wollte Mike seine Tochter immer vorbereiten und wenn sie nun in Schwierigkeiten steckte, dann wäre er daran sicher nicht ganz unschuldig. Hätte sie sich getraut sich als lesbisch zu outen, dann hätte sie möglicherweise gar nicht so ein gefährliches Abenteuer unternehmen müssen?“ Dies alles malte er sich aus auf der kurzen Fahrt. Schlussendlich begnügte er sich in der Gewissheit, dass er einen sehr guten Segellehrer für seine Tochter gewinnen konnte und die See nicht sonderlich unruhig war in der letzten Nacht.

Als sie am Haus des Onkels ankamen, saß dieser ausnahmsweise mal nicht in seinem Liegestuhl sondern stand neben seinem Bootshäuschen und rauchte nervös seine Pfeife. Das tat er normalerweise immer nur zu besonderen Anlässen oder wenn er Vyoma und Polly alte Geschichten erzählte, denn die Mädchen mochten den Geruch und er fand es auch passend. Das täten schließlich alle „großen Erzähler.“ Als Feuerwehrmann hatte er ansonsten, gar kein Interesse an zusätzlichem Rauch. Es wurde ihm von inoffizieller Seite auch offiziell abgeraten. „Habt ihr schon was gehört?“ Fragte Eduard gleich nach der Ankunft der Eltern, was eine Gegenfrage erübrigte. „Nein.“ und alle senkten Gedankenverloren den Kopf.

Mike unterbrach das Schweigen: „Ich habe mir gedacht, wir suchen getrennt. Eduard, du kennst dich doch hier am Besten aus. Du könntest die am stärksten bewaldeten, hinteren Ecken des Sees absuchen, während ich den linken Teil des Sees übernehme und meine Frau den rechten.“ Mike war ein echter Stratege und auf seinem Gebiet beinahe unschlagbar. Hätte er seine Frau nämlich bloß die ganz leicht begehbaren Plätze absuchen lassen, hätte sich seine Frau so oder so beim Suchen nutzlos gefühlt, so aber fand er absolute Zustimmung. Auch wenn er dafür in Kauf nehmen musste, ihr am Abend 2 Stunden die Füße zu massieren.

Eduard ging in den Schuppen und nahm seine Wathose, sowie Proviant für alle und 3 Tüten mit. Ursprünglich hatte er den Proviant für die Mädchen und ihn geplant. Weil er jedoch grade noch rechtzeitig merkte, was zwischen den Mädchen lief, gab er ihnen von vornherein das Boot für sie alleine und da er ein praktisch orientierter Single war und sah, dass die Mädchen bereits genug Vorräte dabei hatten, wollte er sie auch nicht weiter mit seinen Keksen belästigen.

Buch 1 Kapitel 4

Die drei Ein-Mann Suchtrupps machten sich also auf den Weg. Eduard, der um den halben See musste, um dort den Wald abzusuchen, fuhr mit seinem Wagen zu einem Parkplatz, der direkt am Waldrand lag. Von dort aus machte er sich auf dem Weg mit seiner Wathose. Die brauchte er Gewiss, denn obwohl der Boden von der langen Hitzeperiode relativ trocken war, war er sich sicher auch den einen oder anderen Graben durchqueren zu müssen. Wie er wusste waren alle Gräben in der Gegend nicht besonders tief. Das Wasser ging ihm höchstens bis zum Bauchnabel. Und trotzdem vermied er so gut er konnte diese Gräben zu durchwandern. Das Wasser war hier sehr kalt zu der Jahreszeit und er konnte sich eben so gut vorstellen, dass die beiden Mädchen entführt, wie auch erfroren sein könnten.

Loris hingegen, war vorerst voll und ganz damit beschäftigt sich selbst unter Strom zu setzen um sich energisch darauf fixieren zu können, alles Bestmöglichste zu tun, um ihre Tochter wieder zu finden. Sie hätte in einem Abenteuerfilm die Hauptrolle einer heißblütigen Piratenbraut annehmen können. Sie sprang regelrecht über Stock und Stein, über kleine Rinnsale, die vom See in den Wald führten und fand dabei noch die Kraft, sich über weggeworfene Bierflaschen aufzuregen. Ich darf wohl behaupten, dass sämtliche Vyomas und Pollys in der Gegend hellhörig wurden, da die Rufe der Suchaktion über Kilometer zu hören sein mussten. Der Wind stand günstig zum Dorf.

Mike schlenderte energisch und gleichzeitig bequem am Seeufer entlang und berief sich ganz auf seine Stärken. Er hatte schon immer sehr gute Augen. Wenn die Mädchen bewusstlos waren, dann könnten sie einen eh nicht hören und wenn sie es nicht sein würden, dann wollte er sie nicht unbedingt stören, bei was auch immer er sie erwischen würde. Er ließ die beiden Mädchen lieber in dem Glauben, dass sie ihn zuerst gesehen haben könnten, sodass sie sich schnell fertig machen könnten und auf unschuldig tun. Er wusste selbst nicht, ob er sich fair gegenüber seiner Tochter verhielt, aber er würde sicher nichts wissen wollen, was seine Tochter unter allen Umständen vor ihm geheim zu halten versuchte.

Eduard war nach 3 Stunden Survivallauf durch diese Sumpflandschaft total erschöpft und setzte sich auf einen Baum. Er genehmigte sich etwas zu trinken und aß ein paar Schokokekse, die ihm die optimale Energie lieferten, wie er als Feuerwehrmann zu wissen glaubte. Er war so erschöpft, dass er dabei von seinem Baum glitt und auf dem Boden einschlief.

„Eduard, Eduard!“ Er wurde von einem Mädchen geweckt, dem es offenbar noch weitaus schlechter ging als ihm. Es stand heulend, dreckig und verweint vor ihm. Die Haare waren vollkommen verfilzt. „Polly?“ Was um Himmels Willen ist denn mit dir passiert?“

Pollys Antwort beschränkte sich auf ein weiteres unglaublich starkes heulendes Krächzen.
Eduard wollte raus finden was los war, und nahm sie erstmal in die Arme um sie zu beruhigen. „Ist was mit Vyoma?“ „Jetzt nicht mehr.“ stotterte Polly nickend. „Bringst du mich zu ihr, Polly.“ Auch wenn er Tote nicht zum leben erwecken könne, so dachte er jetzt schon an eine anständige, ehrenwerte Bestattung. Also trotteten die Beiden zu der Stelle, an der am letzten Morgen Vyomas Tod stattgefunden haben muss, denn ihr Leichnam lag immer noch genauso ruhig und an derselben Stelle da, wie sie in der Früh in Pollys Armen eingeschlafen war.

Buch 1 Kapitel 5

Maria stand eines Nachts an ihrem offenen Fenster und ließ sich den Wind an den Wangen vorbeiziehen. Es war eine laue Sommernacht und sie schaute in die Sterne Richtung Westen, da sie im Norden nicht mehr sah als die Dunkelheit. Sie fürchtete sich vor Unerwartetem. Ihr Leben war immer anstrengt gewesen und sie lernte damit zu leben. Doch es war jeden Tag dasselbe.

Sie bekam Aufgaben, sie erfüllte sie, so unangenehm sie ihr auch erschienen sein mögen. Sie beschwerte sich des Öfteren über die viele Arbeit, aber Angst vor dem Alltag, hatte sie nie. Maria war nach außen wirklich ein aufgewecktes Mädchen. Auch in der Schule war sie stets strebsam. Schnurgrade auf dem Weg zum Abitur. Nichts erheiterte sie mehr als die Schule.

Da alle in ihrer Familie es großartig fanden, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit Maria ihre Aufgaben bewältigte, boten sie ihr immer dasselbe Schema, denn sie sollte niemals aus dem Takt kommen. Sie durfte einfach nicht. Sie war die Hoffnung, dass es eine Zukunft für die Familie gibt, denn Maria war die Einzige, die noch Aufschwung versprach. Maria selbst machte sich nicht viel aus ihrem Wesen, auch war es ihr egal, dass sie höchstens 2 Stunden Freizeit am Tag hatte. Ganz im Gegenteil sie genoss ihren Tagesablauf und ließ sich immer wieder in ihre Arbeit zurückfallen, wenn sie sich fürchtete, denn Arbeit war die letzte Ablenkung, die ihr noch blieb.

So saß sie da, mitten in der Nacht und traute sich seit Wochen mal wieder die Sterne zu betrachten. Eigtl. kann man nicht sagen, dass sie besonders viel Freude an dem Mondlicht hatte. Nein, die unendliche Einsamkeit missfiel ihr und sie fing an nachzudenken. Ihr Leben lief schon seit Ewigkeiten immer in geregelten Bahnen aus denen sie nie einen Ausweg sah und auch nicht sehen wollte. Doch in 2 Jahren wird sie ihr Abitur machen und dann? Wofür sollte sie sich entscheiden, wo sie doch nie Entscheidungen treffen musste? Ihre Eltern haben immer alles für sie entschieden und dafür war sie Ihnen dankbar, denn selbst hätte sie viel zu stark nachdenken müssen.

Sie schaute lieber in ihre Bücher als Ablenkung und achtete darauf, dass die Hausarbeit nicht vernachlässigt wurde. Sie selbst war die Einzige in ihrer Familie, die niemals Entscheidungen treffen musste. Und sie spürte, dass sie mit der Wahl des Studiums anfangen musste, sich um die Dinge selbst zu kümmern.

Maria war so sehr in ihr abwechslungsloses und diszipliniertes Leben vertieft, dass sie sämtliche Entwicklungsphasen einer jungen Frau, bloß aus dem Biounterricht kannte. Ihr eigenes Wohlergehen war ihr nicht vollkommen Gleichgültig. Sie hielt es lediglich für das Allgemeinwohl das Beste, wenn sie ihren eigenen Willen vollkommen ignorierte. Dass ihr dies bei weitem kein Vergnügen war, merkte ein jeder spätestens, wenn man sie nach ihrer Lieblingsmusik fragte und sie dabei rot anlief.

Ein Unfall ist an diesem, intensiv-, ablenkungssüchtigem Verhalten Schuld gewesen. Maria war erst 1,5 Jahre alt. Das lebensfroheste Kind was man sich vorstellen konnte. Der ganze Ort war Stolz auf das Baby Maria, welches damals sogar schon ein paar Schritte laufen konnte. Reden konnte sie nicht, aber immer wenn Leute vorbeigingen, zauberte sie jedem ein Lächeln ins Gesicht. Sie zeigte, dass Hoffnung bestand und sie freute sich mit jedem Tag ihres Lebens mehr.

In jener Nacht, in der ihre Eltern auf einem Ball waren und sie mit der Babysitterin alleine zu Hause gelassen wurde, sagte sie ihr erstes Wort: ~Angela~ Die Babysitterin konnte es nicht fassen. Maria fing in ihrer Gegenwart an zu sprechen und hob sie sofort unter den Armen nach oben. Sie küsste sie auf die Wangen, spielte Flugzeug, und stotterte ganz aufgeregt: „sag das noch mal, sag das noch mal!" Die Antwort kam verhalten aber eindeutig:„Angela" Die Babysitterin kannte keine Angela und machte sich nichts draus. In der heutigen Zeit, lernen Kinder das Sprechen ja meist vorm Fernseher. Sie setzte das Mädchen wieder auf den Boden und wandte sich zufrieden wieder dem Milchreis zu. Sie wollte grade die Milchpackung aufdrehen, da donnerte es laut und sie spürte die Erde leicht unter ihren Füßen vibrieren. Sie schreckte zusammen, sodass die Milch auf den Boden fiel und auslief. Sie kannte nur noch einen Gedanken: Maria! Die Babysitterin stürzte los und rutsche auf der Milch aus, die sich langsam über die Fließen ihren Weg bahnte. Sie stürzte hart auf der Stirn auf. Nach einiger Zeit, die sie nicht abzuschätzen vermochte, wachte sie wieder auf und versuchte aufzustehen.

Maria war inzwischen zu ihr gekommen und hatte offenbar dafür gesorgt, dass ihre Aufpasserin wieder zur Besinnung kam. Sie sprach öffentlich ihr 2. Wort: „Komm!“ Dieser Aufforderung wollte sich die nette Nachbarin nicht widersetzen, wie sie so da lag, mit Kopfschmerzen und keinen klaren Gedanken mehr fassend. Draußen johlte ein, auf einmal, schreckliches Gewitter und sie freute sich, dass Maria weiterhin vollkommen unbeeindruckt ihre berühmte Gelassenheit ausstrahlte. Sie stand auf, nahm sie an die Hand, nahm ihre Jacken von der Garderobe und die beiden flohen aus dem Haus.

Ich will unterstellen, dass jede Babysitterin schon mal das Gefühl hatte, die Kontrolle zu verlieren.

Sich vollkommen der Überzeugung des Schutzbefohlenen zu unterwerfen, wäre wohl den meisten aber dann doch zu riskant. Bei Maria jedoch, hätte bestimmt jeder Babysitter jede Art von Vernunft über Bord geworfen, wenn dieser einmal in diese entschlossenen, klaren, mit Hoffnung erfüllten Augen geblickt hätte. So machten sie sich auf dem Weg. So schnell Maria eben konnte und wo auch immer Maria hatte hinwollen. Sie liefen bald aus dem Dorf, mitten durch den Wald. Die Babysitterin musste notgedrungen mit dem Handy leuchten, damit sie nicht über Äste stolperte. Warum auch immer kann sich bis heute keiner der Familienmitglieder erklären, aber Maria kannte offenbar den Weg. Wo auch immer sie hinwollte. Sie musste es wissen und sie kam nicht einmal schief auf dem Boden auf und ließ sich nicht beirren, wenn ihre Schutzperson hinter ihr herstolperte. Ihr führt das vielleicht darauf zurück, dass sie durch ihre Größe besser den Boden sehen konnte als die Bäume, aber folgen wir dem Verlauf der Geschichte....

Buch 1 Kapitel 6

Polly atmete tief ein, als sie an einer ihr vertrauten Stelle vorbeikamen. Genau hier hatte sie vor über 5 Jahren ihre Beste Freundin verloren. Sie konnte nie genau sagen, ob ihre Vermutungen stimmen würden, aber sie fühlte sich so geborgen bei der Erinnerung an ihre alte Freundin Vyoma, dass sie plötzlich überhaupt keine Angst mehr hatte. All die Jahre lebte sie in Trauer und versuchte diese nur so gut wie es ging durch gute Taten zu verdrängen, aber schon sehr bald wird ihr Weg hier vorerst enden. Polly hatte nun das Gefühl ein vollkommener Mensch zu sein. Sie trabte weiterhin, nun jedoch wesentlich zielstrebiger hinter Maria hinterher und Genoss ein letztes Mal die Schönheit der Natur, die Vollkommenheit der Blüten und das reine Rauschen des Wassers. Polly verabschiedete sich von ihrem Schützling und schritt erhobenen Hauptes auf die Lichtung zu, die sie lange Zeit mit allem Unglück dieser Welt in Verbindung brachte, doch all diese Sorgen würden schon bald vorbei sein.

Ein letztes Mal schaute sie sich den Wald und die Tiere an und erinnerte sich an den Duft ihrer so geliebten Freundin. Die Katzen erwarteten sie bereits. Sie verbeugte sich anerkennend und schritt in die Mitte. Dort wo derselbe Holzstumpf war wie vor etwa fünf Jahren an derselben Stelle. Die Katzen gaben wohl dieses mal nicht sehr viel auf ihre Förmlichkeiten und kamen näher um sich an sie zu schmiegen. Für Polly war das wie die letzte Ölung und sie fasste es als große Ehre auf, dieses noch zu Lebzeiten erleben zu dürfen.

Fragen waren keine mehr zu stellen. Wer fünf Jahre lang nur über den Tod einer Freundin nachgedacht hatte, für den ist alles vorhersehbar, wenn die Freundin mit einem so sehr verbunden ist wie sie und Vyoma. Polly streichelte die Katzen und bedankte sich bei Ihnen. Sie bedankte sich herzlich, dass die Wahl auf sie gefallen ist. Ein warmer und wohliger Schauer überkam sie so gleich und sie spürte noch wie ihre Beine zusammensackten und dann nichts mehr.

Buch 1 Kapitel 7

Maria saß nach Jahren mal wieder in ihren Aufzeichnungen und Berichten, die sie über 15 Jahre aufwendig zusammengetragen hatte. Diese bestanden aus mysteriösen Sterbefällen, Geburtsannoncen, unaufgeklärten Unfällen mit Todesfolge, Reisekatalogen und Flugblättern, die sich mit ihrem Wohngebiet beschäftigten. Ein Grund warum sie die sammelte war, den genauen Todesort und Zeitpunkt der Großmutter einer alten Bekannten herauszufinden, die dieser sehr viel bedeutet hatte.

Ein anderer Grund war schon weit schwieriger mit unserem Weltbild vereinbar. Maria war nicht sonderlich gläubig und doch wusste sie von der Wiedergeburt. Sie musste nicht glauben, denn sie wusste. Sie wusste im Allgemeinen wirklich so gut wie alles. Das war auch der Grund, warum sie immer so viel Ärger in der Schule hatte. Ihre guten Zensuren, hatte sie ausschließlich mit guten Noten in Arbeiten erzielt, denn die Lehrer konnten sie noch nie leiden. Die Lehrer freuten sich geradezu innerlich, wenn sie ihr mal mit dem Wissen voraus waren. Nur dies kam so schwindend selten vor, dass die Lehrer meist aufgaben und Maria vor die Tafel stellten. Sie resignierten geradezu vor ihrem Wissen. Es gab nicht viele Schulen, die derart gut mit Fachkräften bestückt waren, wie ihr Dorfgymnasium. In der Gegend gab es nirgendwo bessere Lernerfolge, wie an dieser Privatschule und doch war Maria ihren Lehrern immer einen Schritt voraus und sie meinte Lebenserfahrung genug zu haben, um zu wissen, dass es sich nicht lohnen würde sich selbst zu bremsen. Wie sie selbst an anderen Mitschülern des Öfteren erkannt hatte, holt man sich früher oder später automatisch wieder ein.

Einmal am Frühstückstisch hatte Maria ihre Eltern gefragt, warum sie sie Maria genannt haben.
„Die Katze brachte uns auf die Idee, wieso?“ „Ach nur so.“ beantwortete Maria die Frage ihre Mutter. Der Vater schien von Marias gleichgültiger Art nicht sehr überzeugt. „Findest du das in irgendeiner Weise abstoßend oder ähnliches, dass die Katze uns auf die Idee gebracht hat?“ Wollte er nun wissen. „Nein.“ Maria war sehr wohl bewusst, wie unangenehm ihrem Vater es sein würde, wenn er kurz darüber nachdachte, wie denn eine Katze einen Namen aussuchen konnte. Und doch dachte sie, ein wenig Ablenkung vom eigentlichen Thema könne nicht schaden. „Redet ihr eigentlich oft mit der Katze?“ Kam nun frech von Maria, als verteidigender Angriff.

Ihre leiblichen Erzeuger konnten sich daraufhin nicht mehr zusammenreißen und bekamen einen Lachanfall, woraufhin die Milch vom Löffel durch den Kontakt mit dem Tischtuch ungenießbar wurde. Sie schüttelten den Kopf. „Nein tun wir nicht!“ war ihre sorgfältig gewählte Aussage. „Okay, dann muss ich mir ja um mich keine Sorgen machen. Ich habe nämlich gelesen, Katzen würden ihre Nachkommen in den Nacken beißen um ihn fort zutragen und ich bin mir nicht so sicher, ob ich danach je noch einen Jungen küssen könnte.“ Damit räumte Maria fröhlich und siegesgewiss das Feld.

Diese Erlebnisse ließ sie alle in die Auffindung ihrer geliebten Polly einfließen.

Buch 2 Kapitel 1

Der Herbst löste den Sommer ab. Maria war mit der Auswahl ihres Studiums vollkommen eingenommen und hatte wie immer Freude an all den Aufgaben die sich ihr stellten. Maria konnte durchaus nachvollziehen, wenn ihre Klassenkameradinnen teilweise schon in der Schule in Panik gerieten, weil sie noch keine Zusage hatten. Sie fühlte da ganz ähnlich, nur dass bei ihr die Auswahl des Studiums alleine der ausschlaggebende Punkt zum durchdrehen war.

In zwei Monaten würden die Abschlussprüfungen stattfinden und wenn sie bis dahin keine Entscheidung treffen konnte…. Sich die Konsequenzen auszumahlen würde sie auch nicht aufheitern. Alle Türen standen ihr offen und warum sollte ausgerechnet sie übrig bleiben. Bisher scheiterte ihre Auswahl daran, dass sie zu viel über die jeweiligen Studiengänge gelesen hatte. Zuviel abschreckende Infos und so beschloss sie kurzerhand die Gegenargumente beiseite zu schieben und konzentrierte sich auf ihre Ziele.

Die Nacht war kalt und Maria hatte sich vor mehreren Jahren mal ein Loch durch den Fensterrahmen gebohrt, damit sie nachts den Wind besser hören konnte. Der pfiff heute war besonders erbarmungs- und pausenlos. Sie konzentrierte sich auf jede einzelne Unregelmäßigkeit. Es kam sogar vor, dass sie aufstand, wenn der Wind sich eigenartig anhörte, um das Fenster zu öffnen. Diese Angewohnheit, war in etwa mit einem Automechaniker vergleichbar, der die geringsten Abweichungen in seinem Motor raushört und jedes Mal schnellstmöglich auf die Seite fährt, um im Motorraum das Geräusch nachzuprüfen.

Nach all den Jahren hatte Maria schon viel dabei gesehen. Vom Blitz getroffene, kippende Bäume, irre, nachts arbeitende Eiswagenhändler und einen Autounfall mit Totalschaden. Ihre Ohren wurden immer besser geschult. Oft stand sie schon auf, wenn der Nachbarsjunge leise seine Tür aufmachte um morgens die Zeitung auszufahren. Ihr Gehör hatte sich glücklicherweise vor Monaten daran gewöhnt, sodass sie nicht mehr allmorgendlich um 5 Uhr aufwachte, um einen pickelgesichtigen Primaten bei der Ausfuhr von geordnetem Datenmüll nachzustarren. Fing der Junge an sich etwas darauf einzubilden, sie hätte es ihm nicht verübeln können.

Ihr Nachthemd war aus cremefarbenem Samt mit hellblauer Spitze. Den hatte sie sich mal besorgt, um sicher zu gehen, dass sie auf Pyjamapartys eine gute Figur macht. Dummerweise sind Pyjamapartys lange aus der Mode gekommen, bevor jemand die Idee für dieses höchst exklusive Negligee hatte. Ihr blieb also nur, darauf zu hoffen, dass sie mal die richtige Person findet, die sie mit der Kleidung beglücken könnte.

Ihre gemeinsamen Probleme mit den Mitschülern, beschränkte sich ihrer Meinung nach darin, dass sie gleichaltrige Jungs für genauso unreif, stumpf und dämlich hielt, wie alle ihre tuschelnden, hochhackigen Klassenkameraden dies vorgaben. Davon abgesehen, waren ihr alle Anderen sowieso vollkommen gleichgültig, sie suchte nur nach einer Frau, Angela.

Angela sollte ihrem Leben wieder einen Inhalt geben, den Maria bisher noch nie verspürte. Nur bis das passieren konnte, musste sie sie erst einmal finden.

Buch 2 Kapitel 2

Vermutlich würde sie den Rest ihres Lebens auf ein Zeichen warten, wenn sie nicht schnellstens eine Entscheidung fällte. Ihre Eltern würden ausrasten, so viel war Gewiss, deshalb gab sie sich Mühe den Abschiedsbrief so diplomatisch wie möglich zu verfassen.

„Liebe Mom, lieber Dad. Heute konnte ich das Warten nicht mehr ertragen. Ich habe es all die Jahre vor euch verborgen und die Gedanken haben mich innerlich aufgefressen. Erinnerungen an frühere Zeiten bestimmen meine Gefühlswelt. Und jeden Tag meines Lebens sitze ich nur so da und tue was alle für richtig halten. Nur ich selbst fühlte mich dabei um mich selbst betrogen. Es tut mir leid, dass ich euch nie etwas darüber verraten konnte, aber ich liebe eine Frau und nun bin ich auf der Suche nach ihr. Macht euch keine Sorgen, ich werde schon um ihrer Willen auf mich aufpassen.“

Mehr schrieb sie nicht. Den Brief lies sie auf ihrem Schreibtisch absinken. Schnell packte sie sich alles Nötigste zusammen, für eine Reise mit offenem Ausgang. Mit einem großen Wanderrucksack aus alten Zeiten und einer modernen Allwetterjacke, machte sie sich noch am selben Morgen auf den Weg. Entschlossen dem Sonnenaufgang entgegenzumarschieren. Wo auch immer ihre Beine sie hintragen würden, die Zukunft liegt in grauen Schleiern hinter dem Horizont.

Während sie so sinnierend, stolpernd über Bordsteine und durch Vorgärten taperte, genoss sie das Leben in allen Zügen.

Sie erinnerte sich an alte Kinderlieder, die sie zusammen mit ihrer Mutter damals selbst geschrieben hatte: „Wer nichts wagt der nichts gewinnt, mein Kind.
Nichts ist lebhaft wie der Wind, mein Kind.
Mütter hören stets geschwind, den Wind.
Ob er nach Hause trägt ihr Kind….

Mütter aus Ost, aus West aus nah und fern leben alle unter denselben Sternen.
Kein Weg ist je zu weit um ihn nicht zurück zu kommen, Kinder werden zu Hause liebevoll wieder aufgenommen.“

Ein Lied welches auf Reisen daran erinnert, wo man herkommt und dass nichts durch die Heimat je ersetzt werden kann. In diesem Moment missfiel Maria jedoch der Gedanke der Heimkehr, völlig gleich, wie herzlich die Ankunft auch ausfallen mag.

Im Regionalfernsehen hatte sie früher mal einen Bericht über eine Gruppe Zigeuner gesehen, die sich zu dieser Jahreszeit hier in den Wäldern aufhielten. Sie wusste, dass diese Gruppe der Synthi und Roma, wie sie politisch korrekt genannt werden, stetig dieselben Pfade ablaufen. Sie reisen im Kreis und folgen somit den Zyklen der Natur. Seit Jahren, wollte sie die Gruppe aufsuchen, aber bisher hat sie sich nie getraut aus ihrem gewohnten Umfeld hervorzutreten.

Jetzt spielte es aber keine Rolle, es gab nicht viele Orte wo sie sich aufhalten könnten und die Wälder der Gegend waren ihr aus Karten sehr wohl bekannt. Die Zigeuner würden einen trockenen Wald benötigen, in dem sie ungestört Leben können. Der größte trockene zusammenhängende Wald, in dem man halbwegs kampieren konnte, rechnete sie sich aus, lag etwa 35 km von zu Hause weg.

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/h würde sie etwa in 10 Stunden das Lager des fahrenden Volkes erreicht haben, falls sie tatsächlich dort waren. Vergnügt lief sie weiter durch die Vorgärten und stibitzte hier und dort Äpfel, Beeren und sogar Schnittlauch. So fand sie das Leben interessant und Lebenswert. Eben so wie es sein sollte.

„Wuff, Kläff“ und dann kurz darauf ein protestierendes miauen, brachte Maria leicht aus der Fassung, während sie über einen Zaun kletterte. Das Grundstück auf dem sie war, hatte sie noch nie betreten und drinnen ging das Licht an. Erschrocken, pfeifend atmete sie ein, während sich die Verandatür öffnete und eine Gestalt im Morgenmantel heraustrat. „Wer ist da?“ fragte der Barfüßige unbekannte zugleich wütend und verunsichert. „Äh, Ich!“ Maria konnte nur hoffen, dass sie diesem Mann gänzlich unbekannt war, und so setzte sie alles auf eine Karte um nicht den Heimweg antreten zu müssen.

„Ich bin Bridget!“ log sie, ohne auf eine weitere Frage zu warten.
„Bitte, rufen sie ihre Hunde zurück! Ich bin kein Einbrecher!“

Buch 2 Kapitel 3

„Guut äh…! Stinky, Troublespot *pfiff*, kommt zurück!“ Die Hunde gehorchten manierlich ihrem Befehlshaber. Maria wunderte sich über die Namen der Hunde. Der Mann sah aus, als würde er mehr von Laufrädern verstehen als von Humor. Diese Überlegung machte ihn wiederum interessant und sie ging zu ihm. „Sorry, dass ich ihren Vorgarten benutzen wollte um Zeit zu sparen. Ich habe einen langen Weg vor mir.“ „Ach stellen wir uns doch erstmal vor.“ räumte der alte Herr ein. „Ich bin Johannson und du?“

Maria fand sich schon auf der ersten Etappe ihrer Reise in einer selbst geschaufelten Zwickmühle wieder. Die Gedanken rasten ihr durch den Kopf. Hatte der alte Mann ihre Behauptung, sie hieße Bridget vielleicht doch gehört und wollte sie nur testen, oder war der Hundelärm laut genug. Und wenn sie ihm ihren echten Namen verriet, was würde er tun, wenn er erfahren würde wer sie ist. Sie war noch nicht weit genug von zu Hause entfernt, als dass Herr Johannson nicht in Erfahrung bringen könnte von wo sie abgehauen ist. Würden ihre Eltern davon erfahren wo sie steckt, wäre das Unternehmen gescheitert, da war sich Maria sicher. Sie vertraute Herr Johannson und doch wusste sie, dass vertrauenswürdige Personen nur allzu oft das „Beste“ für einen wollen. Sie konnte das Risiko unmöglich eingehen.

Guten Morgen, ich bin Bridget!“ sagte sie in ihrem untertänigstem Ton, der möglich war ohne dabei lächerlich zu klingen. Der Frührentner, wie Maria vermutete, begrüßte sie wiederum mit einer Geste ins Haus. „Komm doch rein wenn du Lust hast, ich werde Frühstück machen.“ Andere Mädchen hätten nun alles getan um dieser Situation auszuweichen. Aber sie rechnete schon vorher mit der Einladung und wog vorsorglich das Risiko ab. Sie war sich sicher, dass Herr Johannson das Haus alleine bewohnt. Erstens stand nur ein englischer Sportwagen unter dem Carport am Ende der Auffahrt, der Garten war nur mäßig gepflegt für die Gegend aber Spielzeug war nicht zu erkennen. Außerdem hatten die Hunde viel zu lange Haare und das würde keine Frau durchgehen lassen. 2 zottelige Bernhardiner, die treu an seiner Seite ihren Lebensabend genießen durften.

Alles in allem hielt Maria, Herrn Johannson für einen genügsamen, lebensfrohen und ganz sicher ungefährlichen Typen, dem man nur ungern etwas abschlagen kann. Sie willigte ein und setzte sich an einen runden Tisch aus hellem geöltem Echtholz. „Trinkst du Kaffee oder Tee? Tut mir leid die Milch ist aus, ich habe nur noch Kaffeesahne…“ „Dann nehme ich Tee!“ Ihre freudig erregte Antwort bereitete dem alten Mann ein strahlendes Grinsen. Maria war überzeugt den Charakter eines Menschen anhand seiner Tees erkennen zu können. „Ich habe Lindenblüte, Pfefferminz, Jasmin, Honeybush, Earl-Grey und Irish Whiskey, garantiert ohne Alkohol.“ „Schade.“ antwortete Maria übertrieben ironisch. „Ich nehme Lindenblütentee.“ „Sehr gute Wahl Miss. ach da fällt mir ein….“ Maria betrachtete amysiert, wie engagiert der Herr mit dem Frühstück war, er ging zügig in den Nachbarraum und werkelte dort irgendwas.

Sie suchte nach einem Radio, welches sich schräg festgeschraubt an der Ecke der Decke zur Wandecke befand. Wer auch immer dieser Mann war, optimaler Raumklang war ihm wichtig. Ein Kabel hing runter mit einem Kippschalter. Beim betätigen erschallte „Wind of change“ von den Scorpions. Zum heulen schön fand sie diesen Song und so bekam sie grade wieder die Fassung, als Herr Johannson mit einem Tablett von einem halben Dutzend Brot- und Brötchensorten hereinkam. „Sie haben wohl gerne etwas Abwechslung?“ „Ja aber sag bitte Du! Johannson ist ein Spitzname, da ich Johann heiße und aus Finnland stamme. Meine englischen Lehrer konnten meinen Nachnamen nicht aussprechen und so habe ich mich mit meinem Umfeld darauf geeinigt, nur noch Johannson genannt zu werden.“

Während sie frühstückten, plauderte Johannson weiter über vergangene Zeiten. Das Gespräch war angeregt und nachher war Maria bestens im Klaren, warum der nette Mann alleine mit seinen Hunden in diesem doch recht annehmbaren Haus wohnte und warum er stets eine solche Auswahl an Brot, Wurst, Konfitüren und Müslis bereithielt. Er hatte viel Zeit, weil er ein automatisches Börsenhandelssystem entwickelt hat, welches in 53% der Fälle funktioniert. Damit hat er sich zunächst sein Haus finanziert und nun verkauft er das System weiter, für 20.000 Pfund pro Stück. Er verbringt einen großen Teil des Tages damit, Angebote durchzustöbern um auf Vorrat günstig Lebensmittel kaufen zu können. Deshalb hatte er auch selten viel Milch im Haus, weil sich der Preis seit Jahren kaum verändert hat. Das Brot jedoch bezog er von einem Freund, von dem er es binnen 2 Stunden nachdem es aus dem Ofen kam abholte, es in gefrierfertige Portionen teilte und erst nach dem Auftauen in der Mikrowelle in Scheiben schnitt.
Maria hatte den Eindruck, der Mann hätte sein ganzes Leben mit dem Handelssystem durchgerechnet. Aber seine Vergangenheit und sein Wissensdurst waren einfach zu faszinierend, um ihn lediglich als durchgeknallten Freak abzustempeln.

Buch 2 Kapitel 4

„Könntest du mir vielleicht mal verraten, wo du überhaupt hin willst mit deinem mittelalterlichen Rucksack?“ Fragte Johannson neugierig, während er ein Marmeladenbrot knabberte. „Tja, wie soll ich anfangen? kennen Sie zufällig die Gerüchte um die Zigeuner in der Gegend?“ Man merkte kaum, wie forschend der nette Herr aufhorchte. Seine Gesichtszüge wurden nur leicht nachdenklich, ernsthaft und wie Maria es schon oft in der Vergangenheit feststellte, versuchen viele Menschen ihre Gedanken zu verbergen. „Ja.“ antwortete er schließlich aufgeschlossen. „Weißt du zufällig, wo sie sich aufhalten, Johannson?“ „Bridget, ich führe dich hin, wenn du mir erzählst was du von ihnen willst.“ Maria konnte ihre Verlegenheit nicht verbergen.

„Tut mir leid, aber das kann ich nicht.“ Maria war sich durchaus bewusst, dass jeder sie für Geisteskrank halten würde, wenn sie die Geschichte jemandem erzählen würde. Wenn es jemanden auf der Welt gäbe, der ihr auch nur im Ansatz glauben schenken würde, dann währe er unter den Zigeunern zu finden.

„Bridget, du bist schon ein eigenartiges Mädchen. Was auch immer du bei dem fahrenden Volk zu suchen haben solltest, ich kann mich entweder mein Leben lang in den Arsch beißen, weil ich’s niemals herausfinden werde, oder ich führe dich zu ihnen und schau was passieren wird. „Danke Johannson, ich garantiere dir, du wirst es nicht bereuen.“ „Das werden wir noch sehen antwortete der alte Mann bedenklich.

Seine Vorbereitungen für die Reise hatten so gar nichts mit seinem ansonsten perfekt durchgeplanten Leben zu tun. Eine Stunde lang rannte der agile alte Herr durchs Haus und packte alles was eventuell von Nöten sein könnte in eine Sporttasche. Danach schmiss er das meiste davon in eine Ecke, holte einen Rucksack, den er wohl mal im Angebot beim Discounter gefunden hatte, sortierte wild ein paar Klamotten, Nahrungsmittel, Getränke, Porzellanvasen und ein paar Gläser ein und sie brachen auf.

Buch 2 Kapitel 5

Die beiden wanderten grad an einem Laubwald vorbei, der bereits die ersten Blätter an den schwarzen Boden zurückverschenkt hatte. Hier und da fand Maria sogar Nüsse am Wegesrand, die sie knackten und aufteilten. „Wie lange werden wir wohl noch rumtapern müssen?“ wollte Maria von ihrem ungewöhnlichen Begleiter wissen. „Das kommt drauf an…. Seine Antwort überraschte Maria nur wenig. Ihre Vermutungen, die Zigeuner in dem trockenem Wald auf dem Hügel anzutreffen, könnten leicht widerlegt werden, falls die Gruppe schon weiter gezogen wäre.

Maria war dies aber momentan vollkommen gleichgültig, selbst wenn die Wanderung sich Monate hinziehen würde, sie wird ihr Ziel bald erreichen. Was sind schon einige Tage gegen die endlosen Jahre, die sie sehnsüchtig, wartend in ihrem kleinen Dachzimmerchen mit all den Zeitungsausschnitten hinter sich gebracht hatte.

Ihr leben lang hatte sie scheinbar nur mit einem Verbracht. Die Erinnerungen an ihre einzige Liebe erträglich zu machen. Sie war nicht mehr und nicht weniger als ein Mädchen, dass nach ihrer Seelenverwandten suchte. All die Leistungen in der Schule oder während ihrer knappen Freizeit, sah sie nun als überflüssig an. Anstrengender Luxus von dem sie nun jede einzelne Sekunde bereute.

Maria war es ihrer Freundin einfach schuldig, soviel wusste sie. Würde sie sie nicht finden, gäbe es für sie nur noch eine Frage auf die sie noch keine Antwort wusste.: Was passiert mit einem Leben, dessen Bestimmung verwirkt ist? Diese und weitere deprimierende Fragen beschäftigten sie stundenlang, während sie über Stock und Stein durch Büsche und Wälder taperten.

„Magst du ein Bier?“ Als ihr diese Frage gestellt wurde, merkte Maria erst wie trocken ihre Kehle war. Nach allem, was sie über Alkohol wusste, hätte sie das Bier ablehnen müssen, aber die Verlockung einer kleinen Ablenkung war einfach zu groß. „Hust, hust, oh mein Gott, was is´n das für´n…? Hust.“ „Oh sorry war das etwa dein erstes Bier?“ Maria schämte sich dafür und antwortete bescheiden nickend. „Wenn sich hier jemand schämen müsste, dann wäre ich das wohl, Bridget, aber hey, irgendwann ist immer das erste mal.“

„Na, dann hätts für mein erstes Bier wohl kaum einen passenderen Augendblick geben können….“stellte Maria scherzhaft fest. Das unbekannte Bier warf Johannson einige Fragen auf, die sich aber durch das Bier auch wieder beantworten konnten. Die junge Dame, die neben ihm lief, war zweifellos sehr intelligent und gut gebildet. In ihrem Alter, so konnte er sich ausrechnen, wird sie das Abitur bald in der Tasche haben. Sie gab sich vollkommen furchtlos und scheute keine Entfernungen. Auch wenn sie monatelang unterwegs wären, so war er sich sicher, sie würde niemals von ihrem Ziel abweichen. Zurzeit waren keine Ferien, was war Bridget bloß so wichtig, dass sie ihre ganze Zukunft aufs Spiel setzte, nur um eine Herde von Landstreichern aufzusuchen?

Beide hatten nach einiger Zeit des Umherziehens dieselben Gedanken und das merkten sie auch während ihre Oberlippen nüchtern hinter ihren unteren Nachbarn ruhten. Sie wussten schon nach kürzester Zeit alles nötige voneinander ohne über die meisten Dinge gesprochen zu haben. Es war fast, als hätten sie schon früher viel voneinander Gehört.

Buch 2 Kapitel 6

Die Nacht hatte das ungleiche Paar unter einem Erdvorsprung in ihren Schlafsäcken verbracht. Marias Hosen waren klamm und ihre Knochen fühlten sich taub an. Dennoch rieb sie sich zufrieden den Sand aus den Augen während sie herumtorkelte und Holz suchte. Während der Nacht, haben sie kein Feuer gewagt. Sie wussten, dass es Wildschweine in der Gegend gibt und die hätten Hunger haben können.
Nun war sie erleichtert, dass sie gleich ihre Gliedmaßen am knackenden Feuer wärmen konnte.

Zum Frühstück gab es Kekse und Tee aus Blättern aus dem Wald, den sie mit Honig süßten. Auch hierbei redeten sie wenig und Maria glaubte, dass Johannson es persönlich nahm, dass sie den Grund der beschwerlichen Expedition weiterhin für sich behielt. An diesem Morgen war Maria aber sowieso nur auf ihre Aufgabe fixiert. Den Wald, in dem sie die reisende Meute vermutete, war nur noch wenige Kilometer entfernt.

Maria und Johannson bemerkten an diesem Wandermorgen, dass sie unauffällig dasselbe taten, damit der Weg nicht ganz so langweilig wurde und prusteten gleichzeitig los: „Hahaha!“ „Es gibt wohl nur 2 Leute auf dieser Welt, die sich die Freizeit damit vertreiben mit Pilzen befallene Bäume zu zählen.“ „Ja“ erwiderte Maria immer noch schallend lachend. „Dabei erfährt man dabei so viel über die Beschaffenheit eines Waldes, dass das keiner zu schätzen weiß…“Bei allen Höflichkeitsformen, die sich Maria im Laufe der Zeit angeeignet hatte, im spöttisch von oben herab, war sie eine wahre Meisterin. Zusammen mit ihrer unbezwingbaren Selbstironie, hatte sie damit schon ihre halbe Jahrgangsstufe bloß gestellt.

Die traurige Kunst des Einzelgängers besteht darin, sämtliche Vorteile gegen die anderen auszuspielen. Wenn man niemand hat, den man verteidigen muss oder auf dessen Hilfe man baut, dann wären schon mal die schlimmsten der Unsicherheitsfaktoren der zivilen Welt ausgemerzt. Hilfe hat sie selber so gut wie nie angenommen. Sie hätte es sich nicht leisten können, „offene Rechnungen“ stehen zu lassen. Auch für diesen einen Moment, war es wichtig, dass niemand sie von ihrer Unternehmung abhalten könnte, ihre Freundin zu finden. Jede Rechtfertigung vor Freunden, dass sie an diesem Wochenende keine Zeit hatte, hätte alles gefährden können.

Sie war sich sicher, wer einem einzigen Ziel nachjagt, und dieses Ziel über jedes erdenkliche Interesse stellt, der hat in einer gerechten Welt nur alleine überhaupt eine Aussicht auf Erfolg. Und was tat sie da gerade mit diesem Herrn Johannson? Sie war sich zumindest sicher, dass er nie eine Gegenleistung einfordern wird. Aber welches Interesse außer Abenteuerlust könnte ihm noch dazu bewegt haben mitzugehen?

Buch 2 Kapitel 7

Nach unzähligen Kilometern, wie es Maria vorkam, machten Maria und Johannson eine Atempause auf einem Baumstamm. „Puh, als ich gestern losgetapert bin, waren 35 km Entfernung für mich noch einmal in den Bus einsteigen und eine Stunde rum fahren.“ „Tja Bridget, nun siehst du mal, welche Vorteile du hast, dass du ein Mädchen bist. Ich musste bei der Luftwaffe damals jeden Dienstag 45 km mit 35 kg Marschgepäck marschieren. Verweigern war zu damaliger Zeit uncool. Aber Frauen in der Armee hatten wir auch keine.“

Maria nahm es als Gott gegeben hin, dass Männer immer mit den Dingen am stolzesten Protzten, die sie in ihrem Leben am meisten verabscheuten. Das richtige Auto mag einem Mann ja als Geltungswürdig erscheinen, dachte sie, aber wöchentliche Kneipenschlägereien, Ohrfeigen ihrer Erziehungsberechtigten und Sauftouren die im Krankenhaus endeten, sind Dinge mit denen Männer Jahrzehnte nachher noch prahlen. Dabei werden die Geschichten scheinbar umso beschreibungsbedürftiger, desto schlimmer es ihnen in der jeweiligen Situation widerfuhr.

So beschrieb Johannson ihr gradewegs mit überschäumender Euphorie, wie er sich in einer Dschungelübung unglücklich einen Astsplitter in einen Nerv seines Oberschenkels rammte, und das Lager noch 7 km entfernt war, wobei seine dussligen Kameraden insgesamt 14 mal die Trage fallen ließen. Die Zahl kannte er genau, da der Oberfeldwebel genüsslich hinter ihnen herschlenderte und laut mitzählte.

Auch Frauen führen harte Leben, aber keine von denen, die sie kannte, war wirklich stolz darauf. So dermaßen absurd ihr die Welt der Männer erschien, so sehr hatte sie sich bis dahin von ihr distanziert.
In der Zerbrechlichkeit, steckt letztlich mehr Kraft, schlussfolgerte sie in ihrem Inneren, denn nur wer sich keine Lasten aufbürgt, kann frei durchs Leben ziehen. Dieser alte, sympathische Mann, mit dem sie nun schon viele Stunden unterwegs war, der schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr körperlich schwer arbeiten musste, schien sich durch die Reise von den Lasten seines Lebens befreien zu wollen.

Sie ließ ihn gewähren, bis…. „Tscht!“ Maria wies ihrem Begleiter an, stehen zu bleiben und ruhig zu sein. „Hörst du die Schritte?“ Johannson schaute einen Moment lang wie ein begossener Pudel und nickte dann konzentriert, während seine Augen langsam den Waldboden absuchten. „Bridget, es sind viele. Sie ziehen einen Karren hinter sich her.“ flüsternd antwortete Maria: „Ja, ich weiß. Gehen wir zu Ihnen.“

Als sie bei der Kolonne umherreisender Zigeuner ankamen, schallten laute Jubelklänge und Willkommensrufe in ihre Ohren. Einige kamen zu Ihnen, andere jedoch senkten die Köpfe und wichen möglichen Blicken vorsorglich aus. Maria fiel sofort auf, dass die Gruppe eine Mischung der unterschiedlichsten Nationen, Hautfarben und Kulturen sein musste. Den Gedanken behielt sie allerdings für sich, denn sie wollte auf keinen Fall, dass jemand der Anwesenden glauben könnte, sie hätte gewisse Vorurteile.

Der Jüngste der Reisenden, Maria schätzte ihn auf 9, kam zu ihnen gerannt und sprang Maria um den Hals. „Ich bin so froh, dass es dir gut geht!“ stammelte er. Maria hatte den Jungen noch nie zuvor gesehen und war vollkommen verwirrt. „Daraufhin machte der kleine Unbekannte vornehm einen schritt zurück und knickste. „Entschuldigt, ich hatte vergessen mich vorzustellen. Mein Name ist Moreau und dann kam er wieder näher heran und flüsterte Maria ins Ohr: „Ich hieß früher mal Kjell.“

Maria brach in Tränen aus und drückte ihren neuen alten Freund. Der Junge hatte all die Jahre immer wieder auf sie gewartet, seit sie in Gefangenschaft gerieten. Er war ihr treuester Freund gewesen und sie boten sich Schutz, wo keiner zu finden war. Die Hoffnung belebten sie wieder wenn sie zu Grabe getragen wurde. Kjell war der einzige, wahre, männliche Freund, den Maria je hatte.

Johannson war schon zum Rest der Meute gegangen und Maria und Kjell zogen sich hinter einen Erdwall zurück um frei sprechen zu können. „Wie ist eigtl. dein Name?“ wollte Moreau von ihr wissen. „Ich wurde Maria getauft.“ kam etwas belustigt von ihren Lippen und Moreau lachte lauthals. „Ja, das passt zu dir, die heilige, die mit den Göttern ihre Vermählung betrügt.“ Maria fand das alles wirklich sehr amüsant, aber ihr brannte eine Frage auf den Lippen, die sie seit Jahren unbedingt beantwortet wissen musste. „Moreau, wo ist Angela?“

Diese Frage drückte ihm stark auf die Stimmung und Maria fragte sich was los ist. „Moreau, du bist doch nicht etwa eifersüchtig?“ „Nein, ich weiß, was du für sie empfindest. Ich kenne euch beide, auch wenn ich euch nie zusammen gesehen habe. Aber ich brauche nicht in die Zukunft sehen zu können, auch wenn alle glauben, dass ich’s könnte, um zu wissen, dass sie die Meute nicht verlassen wird.

Ihr Leben hat sie einer einzigen Aufgabe gewidmet, mit der sie versucht ihre Schuld zu begleichen. Aber ich bringe dich zu ihr, damit ihr reden könnt. Danach wirst du dich aber nicht unbedingt besser fühlen als jetzt.“ Mit diesen Worten stand er auf und Maria folgte ihm in die Meute.

Er zeigte auf eine Person, die gerade damit beschäftigt war, Tee in einem großen Kupferkessel zuzubereiten und Marias Herz schlug 10-mal schneller. Die Beine schlotterten ihr unter ihren weiten Khakihosen und schritt für schritt wurde die Aufregung größer. Maria nahm nichts mehr wahr und als sie an dem Kessel angekommen war brauchte sie nur ein Wort. „Maria!“ Der anderen Person erging es genauso und ließ den Kochlöffel fallen.

Die Beiden küssten sich innig und fingen an zu weinen. Der Altersunterschied zwischen den Beiden betrug fast 7 Jahre, dass war allen anderen aufgefallen. Nun, da Maria und Angela wieder zu sich kamen, sahen sie die offen stehenden Kinnladen, der Meute und Johannson, der als einziger fröhlich lächelte. Moreau hatte einen großen Teil seines sorgenvollen Gesichtsausdrucks abgelegt.

Maria und Angela verkrochen sich zurück in den Wald.
Buch 2 Kapitel 8

„Maria, ich habe so viele Fragen und dir so vieles zu erzählen. Aber dies alles verblasst hinter dem, was diese Leute zu erwarten haben.“ Maria war so überglücklich ihre Freundin wieder zu sehen, dass sie absolut keine schlechten Nachrichten hören wollte. Sie wollte darüber sprechen, wie sie aus ihrer Hölle entkommen sind. Was sie im nächsten Sommer machen werden. Wo sie in Zukunft leben wollen, aber sie wollte nichts von der übersteigerten Vernunft von Angela hören, die ihr Leben den Anderen von ihnen geopfert hatte.

„Was willst du denn bei diesen Leuten erreichen, Angela? Du kannst rein gar nichts für ihre Leiden. Wessen schuld willst du abtragen?“ Maria war vollkommen außer sich und wirkte nach der langen Diskussion sogar ein wenig sauer. In vollkommener Liebe blickten sich beide verzweifelt in die Augen und suchten nach Antworten.

„Ich habe dich damals vollkommen rücksichtslos in den Tod geführt. Ich wusste damals nicht was ich tue. Dass du zurückgekommen bist, ist ein Wunder aber dafür lebst du in schrecklicher Gewissheit“ wagte Angela sich vorsichtig vor. „All diese Leute tragen ein ähnliches Schicksal, wie du und ich. Wir alle wissen, dass es jederzeit wieder passieren kann. Alles was ich erreichen will, ist dass diese Menschen ihre Zeit auf Erden in Frieden verbringen und nicht noch Andere in den Wahnsinn treiben.“

„Aber Angela, es ist so sinnlos zuzusehen und auf das Ende zu warten.“

Buch 2 Kapitel 9

„Maria der sehnlichste Wunsch, unser letztes Leben zurückzubekommen, durchfließt meinen Kopf. Aber die Dinge veränderten sich unwiederbringlich. Ich habe meine Entscheidung schon vor langer Zeit getroffen. Nur du kannst jetzt noch etwas daran ändern, verstehst du?“ Maria fand die Frage vollkommen überflüssig, wie könnte sie es nicht verstehen.

Sie musste einen Weg finden den Kreis zu durchbrechen. Und was würde mit den vielen Seelen passieren, die noch gefangen waren?“ Welches Schicksal erwartet Menschen, die nicht zurückkehren? War es das Opfer wert? Oder sollte sie sich doch der Meute anschließen und mit ihnen zusammen die Gefallenen suchen?

Die Nacht über verbrachten die beiden Mädchen umarmt am Feuer. Beide wussten, dass sie nicht schlafen konnten, aber sie waren froh um jede Sekunde, die sie zusammen verbringen konnten.

Am nächsten Morgen hatte Maria Kopfschmerzen, die sie auf den harten Waldboden zurückführte. Jeder Gedanke stach ihr wie ein Nagel in den Hinterkopf. Wo sollte sie hin und wo sollte sie nach einer Antwort für ihre Fragen suchen? Es gab für sie nur noch eine übrige Antwort. Sie musste an den Ort, an dem alles begonnen hatte. Sie musste zum Katzenzirkel. Und sie wird allein gehen müssen. Ihr schlotterten die Knie bei dem Gedanken.

Beim ersten Mal, fühlt sich es sehr wohlig an, wenn man zum Zirkel geht. Sie hatte schon viel gehört, von Menschen die dem Tod entgegengetreten sind und mit einem Lächeln einschliefen. Ihr erging es damals ähnlich. Auch wenn sie als Vyoma damals überhaupt keine Ahnung hatte, was die Katzen mit Ihnen vorhatten, konnte sie Polly dennoch vollkommen vertrauen. Alles würde gut werden, da war sie sich sicher.

Aber was wird passieren, wenn man sich gegen den Willen der Katzen stellte? Hat dies in der Vergangenheit überhaupt schon jemand ausprobiert? Nachdem sie diese große Menschenmeute von ehemaligen Gefangenen gesehen hatte, war sie sich sicher, dass sich jeder, der noch lebte bisher unterwarf. Gab es vielleicht noch Andere, die es versuchten und dabei scheiterten?

Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie daran dachte, was sie überhaupt hergeführt hat. Müsste Pollys Großmutter nicht auch unter der Meute sein? Hätte sie nicht irgendwann einmal versucht mit Polly Kontakt aufzunehmen, falls sie noch lebte?

Zu viele Fragen, die Maria zu viel Angst machten. Ihr Leben lang hatte sie Nachforschungen angestellt um Polly und ihre Großmutter zu finden. Sie wollte es nicht wahr haben. Aber die Gewissheit stand schon immer unabgerufen in ihrem Kopf.

Menschen, die andere Nachfolger mitgenommen haben, können nicht zurückkehren.

Sie hatte Polly damals einen anderen Namen gegeben. Hätte sie sie nicht Angela genannt, hätte sie sie für immer verloren. Die Katzen hatten damals ihre Gedanken gesteuert, als sie 1,5 Jahre alt war. Aber sie hatten erbarmen und dafür gesorgt, dass sie ihre große Liebe zurückbekommt. Maria konnte diese Gedanken bisher immer und immer wieder hinter ihrer Arbeit verbergen. Nun jedoch, musste sie darüber nachdenken um vernünftige Entscheidungen treffen zu können.

Ihr Kopf schmerzte immer stärker und sie musste sich hinsetzen um sich zu beruhigen.

Johannson fand sie später zitternd, mit den Armen um die Beine geschlungen, hinter einem entwurzelten Baum. Er hatte eine der jungen Frauen unterm Arm und sah glücklich aus. „Wir waren grad schon bei Angela. Maria entschuldige bitte meine Neugier, aber ich wollte unbedingt genau wissen was du hier wolltest.“ Johannson schickte seine Begleiterin weg und lehnte sich neben Maria an die Baumwurzel.

Während er weiter sprach, holte er eine Pfeife aus seiner Jacke, stopfte Tabak in den Zylinder und genoss sie mit seinem Zippofeuerzeug, genau so, wie Maria es sonst nur von einem Menschen kannte. Johannson bemerkte ihren verblüfften Gesichtsausdruck. „Ja, ich kenne Eduard sehr gut. Er ist mein Bruder.“ Maria geriet ins Stottern. „Ah, aber wie ist das möglich? Ich dachte du stammst aus Finnland?

„Ja, das stimmt auch. Sagen wir einfach Pollys Großmutter hatte in vielerlei Hinsicht ein sehr bewegtes Leben.

Angela hat mir erzählt was du vorhast. Sie macht sich unglaubliche Sorgen, aber sie weiß sehr gut, dass sie dich nie davon abhalten können wird.“ Sich selbst entspannend zog Johannson nochmals an seiner Pfeife.

„Ich weiß, was ihr Eduard bedeutet. Was auch immer passieren wird oder wie du es anstellen wirst, ich werde dich begleiten.“ „Und was ist mit ihr?“ beulkt zeigte Maria in die Richtung, zu der sein Anhängsel verschwunden war. Johannson antwortete achselzuckend: „Keine Ahnung, fragen wir sie doch.“

Das Anhängsel hieß Fjadome´

Buch 2 Kapitel 10

Fjadome´ stellte sich als ehemaliger Hippie heraus. Sie hatte langes schwarzes Haar und tauschte in irgendeinem Jahrzehnt ihre Badelatschen gegen ein Paar bequeme Wanderstiefel aus gegerbtem, hellem Leder. Maria nahm sie vom ersten Moment als eine vertrauenswürdige Person wahr. Jedoch hatte sie auch Angst davor, sie mitzunehmen. Maria ging es nicht um die Befriedigung ihrer Abenteuerlust. Wenn ihr Vorhaben beim Katzenzirkel scheitern würde, würde sie Angela wahrscheinlich nie wieder sehen.

Andererseits war ihr durchaus bewusst, dass sie Hilfe dringend brauchen wird.

Wie erwartet, wollte sich Fjadome´ diese Herausforderung nicht entgehen lassen. Nach allem was Maria erlebt hatte, würde sie auch weiterhin auf das Urteilsvermögen Anderer vertrauen. Johannson wird intelligent genug sein um nicht aus reiner Wolllust eine Frau mitzunehmen, die er kaum kannte. Und wenn die Beiden ihre Hände nicht voneinander lassen können, dachte sie, wird sie einfach immer 20 Schritte voraus gehen.

Maria hatte es bisher selten erlebt, dass dritte Rad am Wagen zu sein, aber eine Wanderung über eine solche Entfernung…. Sie malte sich die Alternativen aus. Und alles in allem, fühlte sie sich wohl auch nicht besser, wenn zwei Leute Bäume zählend nebeneinander hergingen und eine dritte Frau sich genervt darüber ausließe, wie gelangweilt sie ist. Aber ihr schmerzte es in ihrem Herzen, bei dem Gedanken, Angela zurücklassen zu müssen. Maria musste die Entscheidung ihrer Seelenverwandten nicht nur akzeptieren, sie war dazu gezwungen, sie für sich anzunehmen.

Angela musste bei der Meute bleiben. Sie opferte ihr Leben, damit andere nicht leiden müssen, wie sie einst jemanden leiden ließ. Ob Johannson und Fjadome´ nun Rücksicht auf Maria nehmen würden oder nicht, sie hatte ein Ziel und nichts wird sie davon abbringen.

In dieser Nacht lag Maria wieder neben Angela, die leise weinend ihrer viel älteren Freundin mit den Fingerspitzen durchs Haar fuhr. „Maria versprich mir bitte, dass du um jeden Preis zurückkehren wirst.“ Maria suchte im Gesicht gegenüber nach einer möglichen akzeptablen Antwort. Sie fand keine und lügen, vermochte sie auch nicht. Es flossen viele Tränen in dieser Nacht, aber sie genossen sie wie nie eine Nacht zuvor. Denn Beide wussten nicht, ob sie sich je wieder sehen würden.

Manche Fragen werden beantwortet, ohne gestellt worden zu sein. Andere müssen gestellt werden, obwohl man die Lösung kennt.

Am nächsten Morgen standen Maria und Angela als erstes auf. Bevor sie sich voneinander verabschieden mussten, wollten sie noch ein paar Stunden alleine verbringen. „Angela, weißt du noch, was wir immer gemacht haben, wenn wir früher so alleine nebeneinander saßen, wie jetzt grade?“ Maria schaute belustigt in die Baumkronen. „Ja, aber vergiss es. Ich bin rein technisch gesehen noch nicht einmal geschlechtsreif.“ „Angela gnickerte: Ach komm schon, eng ist ein dehnbarer Begriff.“ Sie konnten sich vor lachen nicht mehr halten. Während sie dort kichernd nebeneinander auf der Erde lagen, merkten sie mit jeder Faser ihres Körpers, wie sehr sie sich gegenseitig vermissten.

Die Sehnsucht ist am stärksten, wenn sie greifbar nah erscheint.

Maria musste plötzlich daran denken, dass Polly sie schon einmal in ihrer Vollkommenheit gesehen hatte. Damals als sie noch ein Baby war. Unrechtsbewusstsein nimmt doch eigenartige Formen an. Mit großer Begierde verabschiedete sie sich schließlich schmerzlich von Angela.

Buch 2 Kapitel 11

Hätten sie alle nicht eine komplett andere Hautfarbe gehabt, hätte man beinahe denken können, sie wären eine Familie. Maria, Johannson und Fjadome´ waren wieder auf dem Rückweg, von dem Hügel herunter und unterhielten sich angeregt über ihre verschiedensten Schicksale.

Fjadome´ war bereits mehrfach zurückgekehrt und entschied sich vor mehreren Jahren, sich der Meute anzuschließen. Sie verabscheute den menschlichen Zorn. Sie scheiterte ständig an dem Versuch für sich zu erklären, warum es Kriege gibt. In einem früheren Leben war sie sogar mal kurzzeitig zum Buddhismus übergetreten. Aber sie bemerkte schnell, dass auch diese Religion lediglich eine Abgrenzung derer bedeutete, die ihr nicht angehörten.

Wenn sie bei der Meute war, hatte sie wenigstens die Möglichkeit ständig andere Menschen kennen zu lernen. „Nur sehr wenige behalten ihren Verstand in der Erwartung, dass es ihnen ständig wieder passieren kann, wisst ihr?“ Maria antwortete auf Fjadome´s belehrende Worte nur mit verständnisvollem Nuscheln. Johannson hielt sich lieber zurück, da er wusste, dass seine eigenen Erfahrungen bei dem Thema gegen Null tendierten. „Die Katzen unterstellen sich Regeln. Von einigen weißt du ja schon Maria. Andere werden wir noch erfahren müssen.

Es gibt mehr als nur einen Katzenzirkel auf unserem Planeten. Nicht einmal ich weiß, wo sie sich alle verbergen. Ich weiß nicht einmal, ob sie sich alle auf dem selben Kontinent verbergen.“ Maria wusste natürlich davon, dass es viele geben musste. Hunderte Tote, ständig am selben Ort, wären schließlich aufgefallen. Nur wusste sie noch lange nicht, wie sie vorgehen musste um den Spuk zu beenden.

„Fjadome´, wo bist du…? „Wo ich gestorben bin, willst du wissen meine Liebe?“ Als erstes, war es im Zirkel. Das zweite mal auf einem Baustellengelände und das dritte und letzte mal im Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten mir ein Nierenversagen mit Herzstillstand. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Alles andere hätte die Angst nur unnötig weiter geschürt.“

„Wirfst du es den Katzen oder den Ärzten nicht vor?“ Fjadome´ lächelte mal wieder vergnügt: „Na, Beiden. Eine junge, erwachsene Frau die bis auf ein gebrochenes Handgelenk gesund ist stirbt in einem Krankenhaus? Nein, die Katzen machen ihre Sache perfekt. Wo sie waren, hinterlassen sie keine Spuren.“ Zufrieden über ihre neue Feststellung lehnte Fjadome´ sich wieder an Johannsons Schulter und stiefelte Maria hinterher. Diese jedoch musste weiterhin damit leben, dass sie nicht wusste womit sie sich ihrem Gegner stellen konnte.

Und wem genau wird sie sich überhaupt stellen müssen? Sie und die Katzen hatten einen gemeinsamen Feind. Waren sie deshalb vielleicht Verbündete? So lange sie denken konnte, war sie es doch, die für alles eine friedliche Lösung suchte. Und wohin hatte sie das gebracht? Sie fand bis heute keine Antwort auf die Frage, warum sich die wilden Tiere ihr bisher immer so friedlich gegenüberstellten. Gemessen an ihrer bisherigen Geschwindigkeit, wird es noch mindestens 3 Tage dauern, bis sie beim Zirkel ankommen.

Bis dahin musste sie einen Plan haben. Sie durfte Fjadome´ und Johannson auf keinen Fall gefährden.

Während sie den Täubchen beim turteln zusah, versuchte sie sich zu definieren. Eine Heldin konnte sie schon mal nicht sein. Wenn ein Held zum scheitern verurteilt ist, wartet auf ihn nur noch der Tod. Auf sie wartete ein unendliches Leben in Gefangenschaft. In solchen Momenten erinnerte sie sich auch immer an die vielen Filme, in denen die Darsteller ewiges Leben erlangen wollen. Sie wäre schon vollkommen mit einer Garantie zufrieden, dass ihr Leben irgendwann beendet sein wird.

Die Angst durchströmte ihren ganzen Körper. Sich die Konsequenzen des Scheiterns auszumahlen ist immer ein schreckliches Gefühl. Sie hat schon Menschen gesehen, die ihr Leben lang scheinbar nur deswegen täglich aufgestanden sind. Sofern die Konsequenzen des Scheiterns schlimmer schienen, als die Leiden des Weges, dem sie sich stellten, gingen sie ihn weiter. Johannson schien auch einer von denen zu sein, der auf jegliche Lebensqualität verzichten konnte, nur um einem bestimmten Ziel nachzujagen.

Was hatte er alles über Jahrzehnte hin aufgeben müssen? Freunde, Freundinnen, Familie vielleicht?

Das Ziel macht uns zu einem Sklaven seines Weges

Buch 2 Kapitel 12

Abends am Feuer fragte Maria, Fjadome´: „Wie hat das alles überhaupt angefangen? Ich meine wie sind die Katzen zu uns gekommen und was…?“Fjadome´s leichtes Grummeln signalisierte Maria bereits, dass sie wusste, was sie von ihr wollte. „Ich weiß nur, dass die Katzen früher alle mal Gefangene waren. Sie wurden angeblich als Sklaven gehalten, bis sie sich als würdig erwiesen hier runter zu kommen und fortan Seelen zu schicken. Sollten sie ihrer Pflicht nicht nachkommen, wird mit unserer Erde etwas Schreckliches passieren, aber ich würde nie wagen, zu glauben, dass ich wüsste was.“ Maria nahm die Sätze mit einer gewissen Erregung auf und überlegte dann: „Dann gibt es keinen, der von dort mehr weiß, als die Katzen selbst richtig, Fjadome´? „Ja, ich schätze schon. Ich verstehe, an was du denkst, aber die Chance ist wirklich klein. Viele der Katzen sind schon in der übernächsten Generation hier.“

Hinter Marias Stirn, konnte man wieder diese konzentrierten Gehirnwindungen sehen. Wenn es nur nachfolgende Generationen waren, wie loyal waren sie dann noch, gegenüber ihrem Herrscher. Oder hätte sich damit jede Möglichkeit auf eine Zusammenarbeit mit ihnen relativiert? Schließlich kannten sie die Gefangenschaft nicht. Die Katzen genießen womöglich nur die relativ einfache Aufgabe, die sie hier zu erfüllen hatten. Bisher war ihr nicht bewusst, dass diese Katzen überhaupt Nachkommen bekommen können. Sind die Anderen gestorben, oder haben sie gar neue Katzenzirkel eröffnet?

Diese Nacht war unruhig für sie alle. Maria sah, wie Johannson immer wieder versuchte seine Hände unterzubringen, denn Fjadome´ wälzte sich ständig im Schlaf von rechts nach links. Maria selbst wachte immer wieder auf. Geplagt von zusammenhangslosen Träumen, dessen Gründe sie nicht genauer erkennen konnte. Irgendwann in der Mitte der Nacht begnügte sie sich damit, dass sie wahrscheinlich entspannter sein wird, wenn sie wach bleiben und den Geräuschen der Tiere zuhören würde.

Als sie am Morgen wieder aufbrachen, spürten sie die Ruhe vor der Schlacht in ihrer Mitte. Keiner sprach ein Wort und niemand traute sich seiner Verunsicherung in dieser Sache Gehör zu verschaffen. Weder wussten sie, was auf sie zukommen wird, noch ob sie dem etwas entgegenzusetzen hatten. Maria verstand dies als jenen Punkt, an dem es kein zurück geben würde. Sie vermochte nicht einzuschätzen, ob der Weg das Ergebnis rechtfertigen würde.

„Bevor wir unseren Neuschöpfern entgegentreten, sollten wir vorher noch einmal Baden gehen, denkst du nicht auch, Maria?“ Fjadome´ konnte offenbar Marias Gedanken lesen. Maria vermisste ein heißes Bad, etwa seitdem sie aus der Haustür getreten war. Jedoch hatte sie es bisher nicht gewagt, etwas zu tun, was sie von ihrem Ziel hätte abbringen können. Aber nun, da Fjadome´ auch auf die Idee kam, gab sie sich nur zu gerne ihrem Laster hin. „Gute Idee! Ich kenne da was in der Nähe.“
zwei Stunden später saßen sie alle in einem in einem Vorort, 20 Kilometer entfernt von ihrer alten Heimat, wo sie Polly kennen gelernt hatte in einem Whirlpool und schlürften Bananensäfte mit Orangen.

Johannson wirkte am ruhigsten der Drei. „Maria, du siehst so aus, als hättest du überhaupt keine Idee, von dem was uns dort erwarten wird. Aber du solltest dir trotzdem keine Sorgen machen. Ich bin aus Spaß an der Freude dabei und ich hätte mich entweder mein Leben lang fragen können, was du denn bei den Zigeunern wolltest oder ich musste eben alles in Kauf nehmen, was ab dem Zeitpunkt passierte, an dem ich mitgekommen bin.

Fjadome´, die wieder einmal lässig an seiner Schulter hing setzte ein euphorisches Grinsen auf.
Maria fiel auf, wie perfekt ihr Körper für ihr hohes alter noch aussah. Die viele frische Luft hielt sie offenbar jung. „Maria, dein Name alleine schon, zeichnet dich dafür aus, unmögliches zu vollbringen. Egal wie schlecht die Aussichten sein mögen, an einem Stück lebend aus dieser Sache raus zu kommen…
Ich habe schon so viele kommen und gehen gesehen, dass ich es wirklich leid bin. Ich hatte mir immer vorgenommen, etwas gegen diese Versklavungen zu unternehmen und auf einmal bist du aufgetaucht. Ich weiß nun, es besteht noch Hoffnung und das wir jetzt in diesem Moment zusammen hier im Pool sitzen können und die Wasserbläschen schlagen mir durch die Schenkel, ist für mich ein Zeichen.“

Maria war innerlich tief gerührt und fing an zu weinen. Der ganze Stress der letzten Jahre, all die psychische Belastung der sie während ihres ganzen Lebens ausgesetzt war, fiel plötzlich von ihr ab. Diese beiden Menschen brachten ihr endlich den inneren Frieden, von dem sie schon immer träumte.

Buch 2 Kapitel 13

Erfrischt wie aus dem Ei gepellt, machten sie sich erneut auf den Weg ihrer letzten Etappe. Besonders ereignisreich war diese Wanderung nicht, wie Maria auffiel. Zum Glück war ihr das Schicksal gnädig und sie wurde von Fußpilz und Blasen verschont. Ihr kam es derweil wie Frevel vor, die letzten Kilometer der Reise mit solch belanglosen Gedanken zu verschwenden.

Das unfassbare Schicksal eines Einzelgängers bezieht sich immer auf Andere

Die Sonne ging unter. Marias und Fjadome´s Blut fing an zu brodeln. Johannson fror hingegen und schob dies auf seinen Lebensstil. All die Jahre zu Hause im stillen Kämmerlein werden seine Abwehr geschädigt haben. Von dieser Verdutztheit merkten die Frauen nichts. Sie wurden wie magisch angezogen, während sie weiter zielstrebig durch die Dunkelheit schritten.

Die Bäume wurden dichter und der Boden immer feuchter. Das Knistern und rascheln unter den Schuhen der Beiden, war das Einzige, was Johannson in diesem Zwielicht wahrnahm. Er stolperte und rutschte, schrie und murrte hinter den Frauen hinterher. Wie diese vollkommen problemlos durch den immer dichter werdenden, dunklen Wald davon schritten, konnte er sich nicht erklären.

Diese schlugen sich durch Bäche, Torf, Dornenbüsche und zwischendurch war sogar ein Graben im Weg. Alles rufen und flehen war aussichtslos. Vor allem Maria schlug sich weit voraus durch das Dickicht. Johannson hatte nach allem was er wusste, so etwas wie ein miauendes Empfangskomitee erwartet, aber auch davon war nichts wahrzunehmen.

Raubtiere, die zurückgedrängt werden, flüchten oder greifen an. Maria hatte das Gefühl die Kontrolle über ihren Körper für einige Minuten verloren zu haben, als sie sich vor einer Wand aus knurrenden schwarzen Katzen wieder fand. Sie versuchte sich an die Worte zu erinnern, die sie vorbereitet hatte, damit sie überhaupt irgendetwas sagen konnte. Maria erinnerte sich krampfhaft an den Grund warum sie hier war. Ihr gesamtes Gedächtnis schien in Zeitlupe abzulaufen. Kurze Zeit später, sah sie die Katzen auf sich zu rennen. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie einem kräftigen Mitglied des Rudels in die großen, vom Mond funkelnden Augenschlitze schauen konnte.

Die ersten 3 Katzen setzten zum Sprung an.

Sie fielen alle gleichzeitig. Eine Totenstille kehrte ein. Maria vernahm Schritte hinter sich. Menschliche Schritte, die ihr Angst einjagten. Die Katzen schienen wie hypnotisiert auf die Person hinter Maria zu starren. Ein Eiskalter Atem wehte über ihr Ohr: „Hab keine Angst, ich bin’s.“ „Maria stockte der Atem, ihr Puls setzte aus, bis sie die Gestalt sehen konnte. Es war Fjadome´. Voller Erschöpfung sank sie im Rasen auf die Knie. Fjadome´ hingegen, stellte sich vor den Angreifern auf.

„Geschöpfe des Jenseits, euer Opfer ist vollbracht. Eine reine Seele, die wusste was sie erwarten wird, hat sich uns angeschlossen um eure Bestimmung zu erfüllen. Er wird anstatt eurer fortan sein Leben dem Exil verschenken. Ihr seid frei!“

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Happy Birthday lieb Alisa, das hier wirst du nicht vergessen, Ich wünsche dir viel Glück und Freunde und ein richtig gutes Essen. Deine Eltern sind ja bei dir und es klingt auch nicht vermessen, wenn die Zeit die mir noch bleibt für dich verbrauch besessen. Keine Woge im Schwingen die der Dunkelheit rot tobt und dich zu ihr holt ins Grunde Verbot. Wir alle nisten in sanften Gebäuden bis wir raus in die Freiheit und ohren betäubend. Die Schreie zu hören von manchen warn viele, doch du allein warst einzigst da für schöne Gefühle.

Das schöne beglücken der samtweichen Täler, das findet sein Ende in eurer Gemälder. Die Wände und Decken sind nicht mehr zu bremsen drum raus in die Welt den Kopfdruck zu senken. Freiheit in Adern ist nicht zu vermeiden denn du solltest Leben und mir niemals weichen.

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so, ich wollt den Thread zu meinem Buch noch eben wiederholen viel Spaß dabei, irgendwann kommt vllt. das dritte.

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ich machs iwann denn, nur ich muss dass denn suchen hab ich grad ke bock zu^^

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ja pls mach mal bitte schnegge

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hm ich kann dir mal den text schicken wo der geschrieben hat, ehrlich genau wie du :-P

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ich kenn adam smith nicht, und ich schreibe echt mieß, wieich nun weiß aber für mich nur ein zeichen dafür, dass ich noch viel vor mir habe und die nächsten jahre hab ich wohl auch reichlich gelgenheit dazu

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@praeriebaer: tust du sachen von adam smith lesen? der schreibt nämlich manchmal so wie du :) das mit den stecknadeln, falls du dass kennst :] erinnert mich ehrlich an dich!!
hdl

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und wenn du ein wenig runterscrollst, das 1. kapitel des 2. buches steht auch schon da

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wow cool, du hast glaub ich keine frage ausgelassen, von denen ich es für möglich gehalten habe, dass man sie mal stellen wird.

Es ist ja genau dafür eine Trilogie und sie ist ansprruchsvoll und es kommen Zeitsprünge zu Stande die definitiv in den folgenden teilen ihre begründungen finden werden